Frauen sind in den Top-Etagen der in Deutschland aktiven Asset Manager nach wie vor nur spärlich vertreten – noch spärlicher als vor einem Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Fondsfrauen. Das Karrierenetzwerk hat dafür wie bereits 2021 die Zusammensetzung der Geschäftsleitung in der deutschen Asset-Management-Branche untersucht. Das Resultat ist ernüchternd: Die Frauenquote fällt mit im Schnitt 13,7 Prozent erschreckend niedrig aus und liegt sogar einen Prozentpunkt unter dem für das Vorjahr ermittelten Wert.

"Das ist insbesondere vor dem Hintergrund enttäuschend, dass viele Asset Manager das Problem von zu wenigen Frauen in der Top-Führungsebene erkannt haben und sagen, dass sie es angehen wollen", schreiben die Autorinnen der Fondsfrauen-Studie. Am Ende des Tages würden die Posten dann aber offenbar doch überwiegend männlich besetzt. Dies lasse den Schluss zu, dass die Unternehmen entweder nicht richtig nach Frauen für den Einsatz in Spitzenpositionen suchten oder aber mehr unternehmen müssten, um ihre Personal-Pipeline in Sachen Diversität besser auszubauen.

116 Gesellschaften unter der Lupe
Für die aktuelle Untersuchung haben die Fondsfrauen die Führungsetagen aller 116 Fondsgesellschaften unter die Lupe genommen, die zum Stichtag 26. März 2022 Vollmitglied im deutschen Fondsverband BVI waren. Handelte es sich bei einer Gesellschaft um eine GmbH wurden alle Mitglieder der Geschäftsführung namentlich erfasst, ebenso alle Vorstandsmitglieder einer AG. 

Insgesamt befinden sich der Studie zufolge in den Top-Führungsgremien der untersuchten Unternehmen 430 Mitglieder, darunter 59 Frauen, was einer Quote von 13,7 Prozent entspricht. Dabei liegt die Frauenquote bei den 28 AGs mit 15,2 Prozent höher als bei den 88 GmbHs. Diese kommen auf eine durchschnittliche Quote von 13,2 Prozent. "Ein Grund für die etwas höhere Frauenquote könnte darin liegen, dass sich Aktiengesellschaften in einem stärkeren öffentlichen Licht sehen als GmbHs und daher mehr auf sichtbare Governance-Regeln achten", heißt es in der Studie.

In den Chefetagen der österreichischen Fondsgesellschaften ist die Frauenquote deutlich geringer. Die insgesamt 15 heimischen Assetmanager beschäftigten 45 Geschäftsführer, nur zwei Positionen werden derzeit von Frauen besetzt. Damit liegt der Anteil an weiblichen Führungskräften gerade einmal bei 4,4 Prozent.

Stärkeres Bewusstsein für Gender Diversity
Fondsgesellschaften mit ausländischen Wurzeln, die in Deutschland tätig sind, weisen der Untersuchung zufolge zum Teil einen vergleichsweise hohen Frauenanteil auf. Dies liege daran, dass in einigen anderen Ländern das Bewusstsein für Gender Diversity bereits stärker entwickelt sei, schreiben die Autorinnen. Besonders hoch ist die Frauenquote in der ersten Führungsebene mit 25 Prozent bei Gesellschaften mit Schweizer Background. Es folgen in Deutschland vertretene Asset Manager aus angelsächsischen Ländern mit 22,4 Prozent und solche aus nordischen Staaten mit 22,2 Prozent. Bei rein deutschen Gesellschaften hingegen liegt die Frauenquote in der Top-Etage im Schnitt bei lediglich 9,2 Prozent.

Damit sich dies ändert, werden mit dem Fondsfrauen Award, der im Herbst verliehen wird, auch in diesem Jahr wieder Frauen, Männer und Unternehmen ausgezeichnet, die sich für mehr Gender Diversity tatkräftig einsetzen. Die Fondsfrauen um die Gründerinnen Anne Connelly, Manuela Fröhlich und Anke Dembowski loben den Award bereits zum vierten Mal aus.

Ein Preis, vier Kategorien
Verliehen wird der Preis in vier Kategorien. Den Award "Company of the Year" erhält ein Unternehmen, das mit einer besonders fortschrittlichen Firmenkultur punkten kann. Mit dem Award "Role Model of the Year" möchte das Netzwerk eine Frau – oder einen Mann – auszeichnen, die oder der sich um das Thema Geschlechtervielfalt verdient gemacht hat. Den Preis "Woman of the Year" erhält eine Frau, die durch ihre herausragende berufliche Leistung ein Zeichen für andere setzt. Und die Gewinnerin der Auszeichnung "Fondsmanagerin des Jahres" sollte eine ausgezeichnete, wettbewerbsfähige Performance aufweisen können. 

Unter fondsfrauen-award.com können Sie bis zum 2. September Ihre Favoriten nominieren. Einzige Voraussetzung: Alle Nominierten sollten ihren Geschäftsschwerpunkt in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Luxemburg haben und im Asset-Management-Umfeld beziehungsweise der Finanzbranche tätig sein. (am)