Die burgenländische Skandalbank Commerzialbank Mattersburg ist pleite. Das urteilt die heimische Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA, die deshalb beim Landesgericht Eisenstadt den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Der von der FMA eingesetzte Regierungskommissär Bernhard Mechtler habe in einem Zwischenbericht festgestellt, dass das Kreditinstitut Mitte Juli, als die Aufseher der Bank den weiteren Geschäftsbetrieb untersagt hatten, um 528 Millionen Euro überschuldet war, erklärt die Behörde in einer Pressemitteilung. Hinzu kommen nun auch die Forderungen der Einlagensicherung Austria, die sich derzeit auf 162 Millionen Euro belaufen und noch auf 490 Millionen Euro anwachsen könnten, sofern weitere Bankkunden die Einlagensicherung in Anspruch nehmen.

Dem gegenüber steht auf der Habenseite der Commerzialbank Mattersburg ein Plus von 78 Millionen Euro – die Bank selber hatte ursprünglich eine Bilanzsumme von rund 800 Millionen Euro angegeben. "Eine Beseitigung der Überschuldungssituation durch eventuell noch bekanntwerdende Aktiva oder etwaige stille Reserven wurde vom Regierungskommissär praktisch ausgeschlossen", so die FMA im Insolvenzantrag. Eine positive Fortbestandsprognose scheide schon auf Grund der Zahlungsunfähigkeit der Commerzialbank Mattersburg aus, heißt es weiter.

Riesige Luftschlösser
Die Commerzialbank Mattersburg war wegen einer Reihe von Ungereimtheiten bereits in der Vergangenheit aufgefallen, weshalb die FMA die Bank in den Jahren 2015 und 2017 geprüft hatte. So hatte die Commerzialbank Mattersburg etwa teils extrem hohe Guthabenzinsen angeboten. Großeinleger hatten deshalb auch hohe Summen bei dem Kreditinstitut liegen: Das Hightechunternehmen Frequentis hatte beispielsweise 31 Millionen Euro bei der Regionalbank gehortet, bei der Erste gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Heimstätte Gesellschaft, kurz EGW, waren es 30 Millionen Euro.

Zudem hatte die Bank Guthaben bei acht anderen Banken in Höhe von je 40 bis 60 Millionen Euro angegeben, die aber nicht existierten, wie die FMA schließlich bei der Prüfung Mitte Juli festgestellt hatte. Den Wirtschaftsprüfern TPA, die der Commerzialbank Mattersburg 14 Jahre lang ununterbrochen das Bestätigungsvermerk gegeben hatten, waren diese Luftbuchungen schlicht nicht aufgefallen. Auch von "erfundenen Krediten für erfundene Kunden" ist die Rede. So berichtet "der Standard" von einer Wiener Ärztin, die gemeinsam mit ihrem Mann einen Kredit über mehrere hunderttausend Euro laufen haben soll. Die Ärztin selbst wisse davon allerdings nichts.

Der ehemalige Vorstandschef Martin Pucher, der die Bank 1995 aus dem Raiffeisen-Sektor gelöst hatte, hatte bereits in der Vorwoche die volle Verantwortung für die Geschehnisse übernommen. Es gilt die Unschuldsvermutung. (cf)