Die DWS muss mehr als drei Millionen Euro investieren, um die Anteilswerte ihrer Flexpenion-Fonds zur geplanten Auflösung Mitte November auf ihre Garantiewerte anzuheben. Entsprechende Berechnungen von FONDS professionell ONLINE bestätigte das Unternehmen auf Anfrage.

Zur Erinnerung: Die Asset-Management-Tochter der Deutschen Bank hatte im Juli beschlossen, die neun Garantiefonds der Flexpension-Serie im Volumen von insgesamt rund 2,6 Milliarden Euro zum 12. November zu liquidieren (FONDS professionell ONLINE berichtete). Zur Begründung hieß es, das anhaltende Niedrigzinsumfeld würde die Renditechancen der Fonds "in Richtung null tendieren" lassen, eine "sinnvolle und für die Anleger aussichtsreiche Fortführung" sei nicht möglich.

Die Lücke wird Tag für Tag ein bisschen größer
Dieser Schnitt ist für die DWS allerdings nicht kostenlos zu haben, denn der Anbieter hat den Flexpension-Kunden zum Laufzeitende einen gewissen Anteilswert garantiert. Bei vorzeitiger Auflösung muss das Unternehmen – konkret die Luxemburger Tochtergesellschaft DWS Investment S.A. – vorab für diesen Betrag geradestehen.

Aktuell notieren alle neun Teilfonds leicht unter der erreichten Höchststandsgarantie. Gemäß offiziellen Fondsdokumenten mit Stand 2. September 2019 belief sich die Differenz aus garantierten und tatsächlichen Anteilswerten auf insgesamt gut 2,5 Millionen Euro, zeigen Berechnungen von FONDS professionell ONLINE. Setzt man die Kurse vom 2. Oktober an, wächst die Lücke bereits auf knapp 3,4 Millionen Euro.

"Ausreichend Rückstellungen gebildet"
Am Liquidationstag Mitte November dürfte die Differenz nochmals größer sein, denn die Fonds verlieren seit Wochen langsam, aber stetig an Wert. Der Hintergrund ist, dass das Vermögen aller Teilfonds mittlerweile in Rentenpapiere mit sehr kurzer Restlaufzeit angelegt ist, um bis zur Auflösung keine Kursschwankungen mehr zu riskieren. Dafür muss das Management im aktuellen Zinsumfeld negative Renditen in Kauf nehmen.

Mit welchem konkreten Betrag zum Ablösen der Garantie die DWS kalkuliert, wollte das Unternehmen auf Nachfrage nicht mitteilen. Die Gesellschaft habe bilanziell jedoch "ausreichend Rückstellungen gebildet", so eine Sprecherin. Die DWS hatte bereits vor drei Jahren 16 Teilfonds ihrer Flexpension-Serie vorzeitig liquidiert. Damals musste das Unternehmen gut sieben Millionen Euro nachschießen, um die Garantien zu erfüllen.

Das meiste Geld dürfte in andere DWS-Fonds umgeschichtet werden
Die Liquidation der Flexpension-Reihe bedeutet zwar das Ende dieser Garantiefonds, heißt aber nicht, dass die DWS das komplette Volumen verliert. Der Anbieter darf vielmehr hoffen, dass das allermeiste Geld in andere DWS-Fonds umgeschichtet wird.

Die Flexpension-Produkte wurden für fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen konzipiert. Aktuell informieren die Versicherer ihre Kunden über das Ende dieser Garantiefonds-Serie und klären sie über mögliche Handlungsoptionen auf. Bei den meisten Verträgen können Kunden selbst entscheiden, in welche Fonds sie das Geld umschichten möchten. Reagieren sie nicht, greift die Standardoption des Versicherers. In der Regel fließt das Geld dann in einen anderen DWS-Fonds.

Zurich empfiehlt Rentenfonds als Alternative
So empfiehlt die Zurich, der größte Versicherungspartner des Fondsanbieters, als Standardalternative den DWS Euroland Strategie (Renten) LD, und die WWK rät zum Mischfonds DWS Defensiv LC. Das geht aus Informationen an Vermittler hervor, die FONDS professionell ONLINE vorliegen.

"Jeder Versicherer entscheidet grundsätzlich selbst, welcher Fonds als Alternative für DWS Flexpension gewählt wird", betont die DWS-Sprecherin. Auf Wunsch unterstütze man die Versicherer bei der Wahl eines geeigneten Fonds. "Im Hinblick auf die ursprünglich mit der Anlage in DWS Flexpension angestrebten Anlageziele bieten sich zum Beispiel aktiv gemanagte Multi-Asset-Fonds als Alternative an, zum Beispiel der DWS Concept Kaldemorgen." Der Anbieter rechnet außerdem damit, dass Geld in Wertsicherungsfonds mit anteiliger Höchststandsicherung fließt, etwa in den DWS Funds Global Protect 80 oder den DWS World Protect 90.

Einnahmen aus Verwaltungsgebühren dürften steigen
Die Gebühren der alternativ genannten Produkte liegen deutlich über denen der Flexpension-Fonds, die die DWS zuletzt auf 0,1 Prozent gesenkt hatte. Der Anbieter darf nach der Umschichtung des Kundengeldes also mit höheren Einnahmen aus Verwaltungsentgelten rechnen. Die Kosten aus der Bedienung der Flexpension-Garantien sollten damit mehr als ausgeglichen werden. (bm)