Start-ups, die technologische Lösungen anbieten, sind aus der Finanzbranche nicht mehr wegzudenken. Geschätzt rund 900 sogenannter Fintechs sind alleine in Deutschland aktiv. Um ihrer wachsenden Bedeutung gerecht zu werden, haben sich 20 von ihnen aus verschiedenen europäischen Ländern und Geschäftsbereichen zu der European Fintech Association (EFA) zusammengeschlossen. Darunter sind die deutsche Smartphonebank N26, die österreichische Wurzeln hat, die britische Kreditplattform Funding Circle oder der italienisch-deutsche Robo-Advisor Moneyfarm. Vorstandsvorsitzender ist Marc Roberts, Chef-Jurist des Berliner Start-ups Raisin, das hierzulande unter "Weltsparen" bekannt ist. Der erste Fintech-Verband ist die EFA nicht, in ihr gehen die "EFAlliance" und  die "FinTechs4Europe" auf.

Die EFA möchte sich nach eigenen Angaben auf die gemeinsame Interessenvertretung konzentrieren, vor allem gegenüber den europäischen Behörden. "Fintech-Unternehmen liefern dringend benötigte innovative, transparente und verständliche Finanzdienstleistungsprodukte. Dennoch werden sie bisher auf der europäischen politischen Ebene nicht ausreichend berücksichtigt. Mit der Gründung der in Brüssel ansässigen European Fintech Associaton geben wir Fintechs in Europa eine kraftvolle Stimme", kommentiert Roberts. Ferner hat sich der Verband zum Ziel gesetzt, den Dialog zwischen den einzelnen Fintechs in den EU-Ländern zu fördern.

EU-Digital-Finance-Strategie
Konkreter Anlass der Gründung des neuen Verbandes ist die neue Digital-Finance-Strategie, an der die EU-Kommisssion seit Anfang April arbeitet. In dieser werden Maßnahmen zur Ermöglichung innovativer Finanzdienstleistungen sowie Wettbewerbsfragen im Zusammenhang mit Finanztechnologien erarbeitet. Eine erste Konsultation hat die Kommission bereits gestartet.

Zudem kämpfen die Fintechs mit einer Reihe an Problemen, auf die sie die Politik aufmerksam machen möchten. Im Bereich der Kundenidentifikation, die unter anderem der Geldwäsche-Prävention dient, gebe es beispielsweise Hürden für sie. "Die gesetzlichen Vorgaben sind häufig so formuliert, dass sie für die Kundenansprache in einer Filiale passen, aber auf digitale Lösungen lassen sie sich kaum anwenden. Dadurch werden digitale Angebote oftmals benachteiligt", zitiert das "Handelsblatt" Roberts. Und in jedem EU-Land sähen die Vorgaben ein bisschen anders aus.

Uneinheitliche Lizenzvergabe
Auch die Vergabe von Lizenzen sei in vielen Geschäftsbereichen von Fintechs EU-weit nicht vereinheitlicht. "Passporting, also das Übertragen einer Lizenz in andere EU-Länder, ist nur für solche Dienstleistungen möglich, die unter die Finanzmarktregulierung Mifid II oder die Richtlinien für Zahlungsinstitute und Banken fallen", so Roberts gegenüber der Wirtschaftszeitung. Unter anderem für die Vermittlung von Spareinlagen, wie sie Raisin anbietet, fehle es an einer solchen Harmonisierung. (jb)