"In der Coronakrise trennt sich die Spreu vom Weizen", sagt Christian Staub, Leiter des Europageschäfts bei Fidelity International, im Interview mit FONDS professionell. "Auf der einen Seite stehen die Anbieter, die die Krise als Chance begreifen." Diese würden weiterhin investieren und ihre Kapazitäten ausbauen. "Auf der anderen Seite stehen jene, die zurückfallen", erläutert Staub. "Diese verlieren Mittel und Kunden, auch wegen technologischer Defizite und fehlender Markenbekanntheit."

So habe die Pandemie gezeigt, dass Häuser mit starkem technologischem Rückgrat über einen Vorteil verfügen. "Sie konnten ohne großen Bruch auf die Arbeit von zu Hause aus umschwenken", führt Staub aus. Auch der Kontakt zu den Kunden habe sich sehr digitalisiert. "Das wäre vor zwölf Monaten so nicht denkbar gewesen", so der Manager. Er war 2018 von Blackrock zu Fidelity gewechselt. Er hatte für den US-Riesen das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz geleitet.

Persönlicher und digitaler Kontakt
"Der persönliche Kontakt wird nicht komplett wegfallen", schränkt Staub ein. "Bei der Vermittlung komplexer Sachverhalte oder wenn Kunden ein Gefühl für einen Portfoliomanager entwickeln wollen, sind persönliche Treffen nach wie vor wichtig." Aber die physische Präsenz werde stärker mit einer digitalen Vorgehensweise verknüpft werden. Das Umfeld für die Industrie als Ganzes sei deutlich schwieriger geworden, nicht erst seit Corona, betont Staub.


Wie Fidelity mit der wachsenden Konkurrenz umgeht und welche Rolle das Haus bei der Branchenkonsolidierung spielen will lesen Sie im vollständigen Interview, das in Heft 3-2020 von FONDS professionell erschienen ist.


Dennoch sei es seinem Haus europaweit gelungen, bis zum Sommer unter dem Strich 7,3 Milliarden Euro frisches Geld bei Anlegern einzuwerben. Grund hierfür sei eine neue Aufstellung. "Unser Betreuungsmodell ist holistischer gestaltet", berichtet Staub. Die Teams seien nunmehr nach Kundengruppen strukturiert. "Der Betreuer im Vertrieb wird dabei zum Dirigenten. Er hat die Fäden in der Hand und führt im richtigen Moment die Spezialisten zum Kunden hin", erläutert der Fidelity-Mann. "Der Vertrieb wird zum Teamsport. Früher waren das Einzelkämpfer."

Turnaround eingeleitet
Zudem habe Fidelity einige Schlüsselpositionen in Europa neu besetzt. "Beim Verkauf hilft natürlich auch die gute Performance unserer Fonds", ergänzt Staub. Das Fondshaus hatte in den vergangenen Jahren mit Mittelabzügen und der wachsenden Konkurrenz durch passive Produkte gerungen.

Diese Phase sei aber überwunden. "Der Turnaround in Europa ist nachhaltig. Wir sind zurück in der ersten Liga, wo Fidelity immer hingehört hat", meint Staub. (ert)