Fast 250.000 Dollar im Schnitt: Wall-Street-Boni explodieren
Dank boomender Geschäfte steigt der Bonuspool an der Wall Street auf Rekordniveau – gleichzeitig zeigen sich erste Risiken für Beschäftigung und Standort.
Die durchschnittlichen Boni an der Wall Street sind im vergangenen Jahr auf ein Rekordniveau gestiegen. Der gesamte Bonuspool erhöhte sich auf 49,2 Milliarden US-Dollar, da Gewinne und Einnahmen deutlich zulegten. Der durchschnittliche Jahresbonus stieg laut Schätzungen des New Yorker Rechnungsprüfers Thomas DiNapoli um sechs Prozent auf 246.900 Dollar, wie am Donnerstag (26.3.) veröffentlichte Daten zeigen.
Rückenwind durch Deals und Handel
Der Gesamtpool ist der höchste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1987. Er spiegelt eine Erholung bei Fusionen und Übernahmen wider, die durch gelockerte Regulierungen unter US-Präsident Donald Trump begünstigt wurde. DiNapoli verwies zudem auf die Stärke im Handel und im Emissionsgeschäft. Damit markiert der Wert das zweite Jahr in Folge mit Rekordboni für Beschäftigte in der Wertpapierbranche.
"Die Wall Street hat über weite Strecken des vergangenen Jahres eine starke Entwicklung gezeigt – trotz anhaltender nationaler und internationaler Unsicherheiten", sagte DiNapoli. "Allerdings sehen wir ein langsameres Beschäftigungswachstum, und geopolitische Konflikte haben globale Auswirkungen, die erhebliche Risiken für die kurz- und langfristigen Aussichten des Finanzsektors und der Gesamtwirtschaft darstellen."
Dämpfer durch geopolitische Risiken
Nach einem starken Jahr mit zunehmender Deal-Aktivität und einem Rekordhandelsergebnis von 134 Milliarden Dollar starteten Banker zuversichtlich in das Jahr 2026. Führungskräfte hatten zunächst erwartet, dass sich die Dynamik fortsetzt.
Der Iran-Krieg und geopolitische Spannungen haben jedoch die US-Märkte belastet, die Inflation angeheizt und den Ausblick differenzierter erscheinen lassen.
Hohe Bedeutung für Steuereinnahmen
Die Wall Street steuerte zwischen 2024 und 2025 rund 19 Prozent der Steuereinnahmen des Bundesstaats New York bei. DiNapoli schätzt, dass die Boni 2025 zusätzliche Einnahmen von 199 Millionen Dollar für den Bundesstaat sowie 91 Millionen Dollar für New York City generieren.
Der Haushaltsentwurf von Gouverneurin Kathy Hochul ging von einem Anstieg der Boni im Finanz- und Versicherungssektor um 26 Prozent aus. Laut DiNapoli könnten die daraus resultierenden Steuereinnahmen jedoch hinter diesen Erwartungen zurückbleiben.
Politische Debatte um Standort New York
Der im Januar ins Amt gekommene Bürgermeister Zohran Mamdani hatte im Wahlkampf Maßnahmen zur Senkung der Lebenshaltungskosten angekündigt, darunter auch Steuererhöhungen für Unternehmen und Wohlhabende. Dies stieß bei Teilen der Wall Street auf Kritik.
Im Juni äußerte Hedgefonds-Milliardär Bill Ackman die Sorge, dass Unternehmen und wohlhabende Einwohner die Stadt in größerem Umfang verlassen könnten, nachdem Ex-Gouverneur Andrew Cuomo im demokratischen Vorwahlkampf den Sieg von Mamdani eingeräumt hatte.
Beschäftigung leicht rückläufig
Laut dem Bericht ist das Beschäftigungswachstum in der Wertpapierbranche in anderen Regionen der USA schneller verlaufen. Die Zahl der Beschäftigten an der Wall Street sank laut vorläufigen Daten auf 198.200 und lag damit unter dem 30-Jahres-Hoch von 201.500 im Jahr 2024. DiNapoli erwartet jedoch, dass die Zahl nach Datenanpassungen leicht nach oben revidiert wird.
Der Anteil New Yorks an den Beschäftigten der US-Wertpapierbranche sank 2024 auf 18 Prozent, nachdem er 1990 noch bei rund einem Drittel lag. Dennoch bleibt der Bundesstaat führend.
Gleichzeitig beobachten auch Branchenvertreter Veränderungen bei der Verteilung von Arbeitsplätzen. Laut JP-Morgan-Chef Jamie Dimon ist die Zahl der Beschäftigten des Unternehmens in Manhattan von 35.000 vor etwa 20 Jahren auf heute 26.000 gesunken. In Texas stieg sie im gleichen Zeitraum von 11.000 auf 33.000. Dimon erklärte, ein Teil dieser Entwicklung sei auf hohe Steuern sowie eine "unternehmensfeindliche Stimmung" zurückzuführen. (mb/Bloomberg)















