Michele Faissola, ehemaliger Leiter des Asset & Wealth Managements der Deutschen Bank (DeAWM), fordert in seinem Verfahren in Großbritannien bis zu 500 Millionen Pfund Schadenersatz, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Er wirft dem Institut vor, seiner Karriere irreparablen Schaden zugefügt zu haben.

Forderungen summieren sich auf über 600 Millionen Pfund
Die Deutsche Bank hatte in ihrem Anfang des Monats veröffentlichten Geschäftsbericht erklärt, dass vier ehemalige Mitarbeiter, die vor englischen Gerichten klagen, insgesamt mehr als 600 Millionen Pfund im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal bei der Banca Monte dei Paschi di Siena fordern. Faissolas Anspruch macht dabei den Großteil der Gesamtsumme aus.

Die Deutsche Bank halte alle diese Ansprüche für unbegründet und werde sich entschieden dagegen verteidigen, einschließlich der Anfechtung der überhöhten und unrealistischen geltend gemachten Verluste, heißt es im Geschäftsbericht mit Blick auf die Forderungen der ehemaligen Führungskräfte, darunter Faissola.

Sowohl die Deutsche Bank als auch Faissola wollten sich zu der geforderten Summe nicht äußern.

Vorwürfe rund um Derivategeschäfte
Im Zusammenhang mit dem Monte-Paschi-Skandal war Managern vorgeworfen worden, gemeinsam mit Mitarbeitern der Deutschen Bank Verluste bei dem italienischen Institut durch komplexe Derivategeschäfte verschleiert zu haben. Dadurch seien die Finanzzahlen zwischen 2008 und 2012 falsch dargestellt worden.

Die ehemaligen Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden zudem wegen Marktmanipulation angeklagt. Ein Berufungsgericht in Mailand sprach jedoch 2022 alle sechs Angeklagten frei, da kein strafbares Verhalten nachgewiesen werden konnte.

Vergleich und weitere Klagen
Erst im vergangenen Monat erzielte die Deutsche Bank eine Einigung mit Michele Foresti. Auch er hatte geltend gemacht, im Zuge des Monte-Paschi-Skandals zu Unrecht beschuldigt worden zu sein. Es handelte sich um den ersten beigelegten Fall in London.

Dario Schiraldi, ein früherer Topmanager aus dem Asset & Wealth Management der Deutschen Bank, reichte in Frankfurt Klage ein und fordert rund 152 Millionen Euro.

Spätfolgen von Urteilen
Die Klagen gegen die Deutsche Bank sind Teil einer Reihe von Verfahren, in denen ehemalige Bankmanager Schadenersatz verlangen, nachdem Gerichte in Europa frühere Verurteilungen aufgehoben haben – teils nach mehr als einem Jahrzehnt. Diese Verurteilungen hatten es den Betroffenen erheblich erschwert, vergleichbare Positionen zu finden. (mb/Bloomberg)