Für Menschen mit ausgeprägtem Sicherheitsdenken ist ein solcher Schritt oft nur schwer nachvollziehbar. Was bringt einen etablierten Bankmitarbeiter dazu, die mit seiner Position verbundene Stabilität aufzugeben, um – quasi im Alleingang – ein kompetitives Marktsegment in Angriff zu nehmen, in dem die Margen sinken, der bürokratische Aufwand wächst und jeder Fehler ernste rechtliche Konsequenzen haben kann? FONDS professionell sprach mit einem früheren Bankmitarbeiter, der dies vor wenigen Monaten gewagt hat, über seine ersten Erfahrungen und Eindrücke. Nach mehr als zehn Jahren als Bankberater im gehobenen Privatkundensegment gründete Florian Dürr zum Jahreswechsel 2020/2021 sein Unternehmen Dürr Invest, das sein Geschäft über das Haftungsdach Finanzadmin abwickelt. 

Für Dürr hat der Druck im Private Banking in den vergangenen Jahren eindeutig zugenommen. So müssen heute weniger Mitarbeiter mehr Arbeitsvolumen bewältigen als vor zehn Jahren. "Außerdem wird es für den einzelnen Berater schwieriger, individuelle Lösungen einzusetzen, heute wird versucht, die Arbeitsweisen zu vereinheitlichen", erklärt der ehemalige Banker. So ging der Trend laut Dürr immer mehr in Richtung Standardisierung: "Rund 80 Prozent der Lösungen sollten möglichst den von der Bank geprüften Weg gehen beziehungsweise aus dem Haus stammen, und bei etwa 20 Prozent kann man frei agieren."

Hilfe durch das Haftungsdach
Die Entscheidung den Weg in die Selbständigkeit zu gehen war von dieser Entwicklung aber nur zum Teil beeinflusst. Wesentlicher war für den Berater, dass er erkannt hat, dass er in Zusammenarbeit mit einem Haftungsdach auch im Alleingang erfolgreich tätig sein kann. "Am Ende meines Studiums hatte ich den Eindruck, dass die strengere Regulierung – Stichwort Konzessionspflicht – einer Selbstständigkeit im Weg steht. Ich habe mich daher im Bankbereich beworben. Die Bank bot hier nach meiner damaligen Einschätzung einen besseren Background für jemanden, der wie ich seine Aufgabe in der Beratung von Kunden sieht", erinnert sich Dürr. 

Die Zukunft sieht Dürr jedenfalls positiv und erklärt: "Wir haben heute die im historischen Vergleich größte verfügbare Auswahl an Möglichkeiten, international diversifiziert zu investieren, gleichzeitig gibt es keine Zinsen mehr. Der Beratungsbedarf ist im ­In­vest­­­­­ment­­bereich heute auch größer denn je." (gp)


Das komplette Interview finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 2/2021 von FONDS professionell ab Seite 238 oder hier im E-Magazin.