"Unsere Aufgabe war es, alles zu tun, um Geld zu verdienen", sagte John E. vor Gericht in Chicago. Er arbeitete bis 2017 als Händler bei der der US-Investmentbank JP Morgan Chase. Die Manipulation der Edelmetallpreise mit Hilfe von Scheingeschäften sei eine alltägliche Methode gewesen, um Gewinne zu erzielen. "Das hat damals jeder am Desk gemacht – und es hat funktioniert."

E. sagte am Dienstag gegen seinen ehemaligen Chef Michael N. aus, der den Handelsdesk lange Zeit leitete, sowie gegen den Goldhändler Gregor S. und den im Hegefondsgeschäft tätigen Vertriebsmitarbeiter Jeffrey R. In den zehn Jahren, in denen er in dem Team gearbeitet hatte, sei systematisch betrogen worden, auch zugunsten der Kunden der Bank. 

"Ich wollte den Preis dorthin treiben, wo ich ihn haben wollte"
E. beschrieb, wie er bei JP Morgan das Spoofing lernte. Wenn er zu einem höheren Preis verkaufen wollte, gab er Aufträge oberhalb des aktuellen Marktpreises ein und platzierte dann eine große Order zu einem noch höheren Preis. Letztere stornierte er jedoch, bevor sie ausgeführt werden konnte. "Ich wollte den Preis dorthin treiben, wo ich ihn haben wollte", sagte er. Dazu habe er den Eindruck überhöhter Nachfrage erweckt. Das funktionierte zwar nicht immer, sei aber so erfolgreich gewesen, dass es von allen Mitarbeitern mehrmals pro Woche angewendet wurde, so E. "Wenn wir niedrig kaufen wollten, konnten wir das", sagte er. "Wenn wir hoch verkaufen wollten, konnten wir das auch."

Ehemalige Händler der Deutschen Bank sind vergangenes Jahr in den USA wegen Manipulation an den Edelmetallmärkten bereits zu Haftstrafen verurteilt worden. Die Bank hatte im Rahmen eines Vergleichs mehr als 130 Millionen US-Dollar gezahlt, um straf- und zivilrechtliche Verfahren in Bezug auf Spoofing beizulegen. 

JP Morgan hatte im Jahr 2020 zugegeben, dass Händler Märkte manipuliert hatten und bekam die Rekordbuße von 920 Millionen Dollar aufgebrummt. Vergleiche zu Spoofing gab es auch mit HSBC und der UBS Group. (mb/Bloomberg)