Der Squad Aguja Opportunities verwaltet ein gutes halbes Jahr nach seiner Auflage schon mehr als 45 Millionen Euro. "Allein in den vergangenen zwei Monaten summierten sich die Zuflüsse auf über 20 Millionen Euro", berichtet Dimitri Widmann, einer der beiden Gründer der Kölner Investmentboutique Aguja Capital, die den Fonds steuert. "Die Zuflüsse kamen nicht nur von einzelnen großen Investoren, sondern verteilt über verschiedene Plattformen, sowohl in die institutionelle als auch in die Retail-Anteilsklasse", ergänzt sein Kompagnon Fabian Leuchtner im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Die beiden Jungmanager, 30 und 31 Jahre alt, haben Aguja Capital im vergangenen Jahr gegründet. Sie lernten sich während ihres Studiums des Wirtschaftsingenieurwesens kennen, später arbeiteten beide bei Flossbach von Storch. Leuchtner managte zusammen mit einem Kollegen zwei Rentenfonds, Widmann arbeitete als Aktienanalyst für den Flaggschifffonds FvS Multiple Opportunities. Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit haben sie sich einen Traum erfüllt. "Investieren ist unser Hobby, unsere Leidenschaft. Das war uns wichtiger als ein festes Gehalt", sagt Widman.

"Wir suchen gezielt nach solchen Sondersituationen"
Mit dem Squad Aguja Opportunities setzen die beiden Nachwuchsfondsmanager auf Unternehmen in Sondersituationen, bei denen beispielsweise eine Übernahme ansteht oder ein Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag vorliegt. Ziel sind "marktunabhängige Werttreiber", wie Leuchtner es nennt, also Renditen, die nicht am Auf und Ab der Finanzmärkte hängen. "Wir suchen gezielt nach solchen Sondersituationen und analysieren dann auch die ganze Kapitalstruktur nach der Frage, welches Instrument das attraktivste Rendite-Risiko-Profil aufweist", sagt Leuchtner. "Das kann die Aktie sein, aber auch eine Anleihe oder eine Wandelanleihe." Durch diese Mischung soll ein "asymmetrisches Chancen-Risiko-Profil mit gedämpfter Downside" entstehen.

Ein Beispiel ist Inmarsat, ein Unternehmen aus Großbritannien, das Mobilfunk über Satelliten anbietet. "In diesem Sektor gibt es Übernahmegerüchte, darum haben wir uns dieses Unternehmen näher angesehen", so Leuchtner. Am attraktivsten erschien die Wandelanleihe. Denn tief im Prospekt versteckt findet sich eine Formel, wie die Inhaber dieser Papiere bei einer Übernahme zu behandeln sind. "Wir kamen zu dem Ergebnis, dass die Wandelanleihe in diesem Fall annähernd die gleichen Chancen bietet wie die Aktie. Kommt es nicht zu einer Übernahme, wirft das Papier aber dennoch fast drei Prozent laufende Rendite ab und verfügt durch die Anleihekomponente über ein geringeres Risiko", so Leuchtner.

Solide Ergebnisse seit Jahresbeginn
Ein weitgehend unbekanntes Unternehmen, komplizierte Details im Wertpapierprospekt, mit denen sich die wenigsten Investoren auseinandersetzen – solche Investment-Storys lieben die beiden Aguja-Gründer. Bislang gingen ihre Ideen auch hervorragend auf: Seit Jahresbeginn liegt der Fonds rund zehn Prozent im Plus. Bislang lieferte Aguja jeden Monat eine positive Performance ab, nur im Juni stand ein hauchdünnes Minus.

Allerdings sind Leuchtner und Widmann nicht die einzigen, die nach Sondersituationen suchen – insbesondere, weil herkömmliche Anleihen kaum noch Zinsen abwerfen und viele Aktien schon ambitioniert bewertet sind. Zumindest in Ansätzen vergleichbare Strategien verfolgen der Greiff Special Situations, der 4Q‐Special Income, der KR Fonds Deutsche Aktien Spezial und der WHC Global Discovery. Doch diese Fonds waren in den vergangenen Monaten so beliebt, dass sie die Zuflüsse beschränken mussten, um ihre Anlagestrategie nicht verwässern zu lassen – die Zahl der Squeeze-Out-Kandidaten und Beherrschungsverträge ist nun mal begrenzt.

"Kein Konzept, das sich endlos skalieren lässt"
"Wir profitieren sicherlich davon, dass einige unserer Wettbewerber kein oder kaum noch frisches Geld annehmen. Auch deshalb beschäftigen sich zahlreiche Investoren mit unserem Fonds, obwohl er erst Ende vergangenen Jahres aufgelegt wurde", sagt Widmann. Doch wie wird Aguja auf dem Markt der Sondersituationen fündig, wenn die Mitbewerber ihre Fonds schließen müssen, weil ihnen genau diese Nische zu eng geworden ist?

"Wir haben den Vorteil, dass wir uns nicht auf Aktien beschränken müssen und verschiedenste Sondersituationen ausnutzen können, uns also beispielsweise nicht nur auf Übernahmen konzentrieren. Zudem bietet jede Marktphase andere Sondersituationen", sagt Widmann. "Außerdem sind wir regional nicht begrenzt. Der Fonds kann weltweit investieren, anders als einige unserer Mitbewerber. Insofern können wir ein Stück weit flexibler reagieren. Die Schwierigkeit besteht eher darin, alle interessanten Ideen abzuarbeiten." Außerdem kämen immer wieder neue Sondersituationen auf den Markt, die wegen der vielen geschlossenen Fonds aber nicht auf viel neues Kapital stießen.

Noch sei das Volumen ihres Fonds deutlich von der Kapazitätsgrenze der Strategie entfernt, sagt Leuchtner. "Klar ist aber auch, dass das kein Konzept ist, das sich endlos skalieren lässt." (bm)