"ETFs sind ein sozialistisches Konstrukt"
"Überall Verbote!" Fondsmanagerlegende Édouard Carmignac übt scharfe Kritik am Zustand der Welt. "Wir haben uns mit Vorschriften vergiftet", meint er – und hofft, dass uns die KI von der Bürokratie befreit. Auch den ETF-Trend sieht er sehr skeptisch.
Aus dem aktiven Fondsmanagement hat er sich zurückgezogen, sein Pariser Investmenthaus leitet er noch immer: Édouard Carmignac, Gründer, Vorsitzender und Investmentchef von Carmignac, spricht in einem Interview, das in voller Länge in der neuen Ausgabe von FONDS professionell erscheint, über den "besten Job der Welt" – und dessen Schattenseiten, über eine Jugend, der die Welt nicht mehr gehört, über seine Erwartungen an die künstliche Intelligenz (KI) und die Notwendigkeit von aktivem Asset Management.
Fonds von ChatGPT
Fondsgesellschaften müssten wegen der KI ihre Prozesse komplett überdenken. "Junge Anleger konsultieren ChatGPT: 'Sag mir den besten Multi-Asset-Fonds, den es seit mindestens 20 Jahren gibt und der bei geringer Volatilität in dieser Zeit so und so viel Prozent pro Jahr erzielt hat.' In 30 Sekunden habe ich die Produkte, die ich brauche. Ich muss dabei nicht auf eine Vertriebsperson hören. Es wird eine individuelle Ermächtigung geben, die sich viele heute noch nicht vorstellen können", so Carmignac.
Apropos Multi Asset. Die Produktklasse musste in den letzten Jahren Kritik einstecken. Gerade jetzt sei Multi Asset attraktiv, so Carmignac, der auf die gesunkene fiskalische Unterstützung, die teurere Refinanzierung sowie das geopolitisch fragile Umfeld verweist. "Wenn Sie in solchen Zeiten mit Ihren Investments ruhig schlafen wollen, müssen Sie einen aktiven Manager haben. Und zweitens: Unsere Rentensysteme sind bankrott. Sie brauchen also ein Produkt, an dem Sie langfristig festhalten können, ohne sich Sorgen machen zu müssen." Trotz schwächerer Phasen könne man über die Jahrzehnte hinweg in Produkten wie dem Carmignac Patrimoine rund sieben Prozent annualisiert erwarten. Ein aktiver Manager antizipiere Erschütterungen hoffentlich zumindest zum Teil rechtzeitig.
Aktive ETFs? "Ein kostspieliger Witz"
Keine Option sind für ihn die passiven ETFs. "ETFs sind ein sozialistisches Konstrukt! Sie werden damit nie mehr gewinnen und nie mehr verlieren als der Markt", meint Carmignac. Und aktive ETFs? Diese sind aus seiner Sicht erst recht ein "kostspieliger Witz" (siehe Zitate in der Bilderstrecke oben).
Seine Arbeit mache ihm immer noch Spaß, so der Fondspionier. "Das ist der aufregendste Job der Welt." Jungen Einsteigern verheimlicht er aber die Schattenseiten des Berufs nicht. "Es wird kein Spaziergang werden. (…) Möglicherweise haben Sie einen Burn-out. Vielleicht werden Sie so besessen sein von dem, was Sie tun, dass Sie Ihre Familie vernachlässigen."
"Unsere Generation hatte das Selbstbewusstsein, dass die Welt ihr gehört"
Auf die gesellschaftlichen und geopolitischen Probleme blickt Carmignac zwar als "konstruktiver Optimist". Aber es müsse sich etwas ändern: "Unsere Generation hatte das Selbstbewusstsein, dass die Welt ihr gehört. Das war eine Ermächtigung. Jetzt ist das anders. Was du tun kannst, ist das, was dir nicht verboten ist. Überall Verbote!"
"Wir haben uns mit Vorschriften vergiftet. (…) Aber wissen Sie was? Mit KI lässt sich vieles lösen", so Carmignac. Angesichts der hohen Haushaltsdefizite könnten sich die Staaten die Aufrechterhaltung der Bürokratie nicht mehr leisten, hofft er auf einen Abbau derselbigen. KI werde in diesem Bereich viele belastende Aufgaben auffangen. (eml)
Das gesamte Interview lesen Sie in der Heftausgabe 4/2025 von FONDS professionell, die Abonnenten in diesen Tagen zugestellt wird. Darin verrät Édouard Carmignac unter anderem auch, wie viele Übernahmeangebote er bisher für seine Firma bekam.




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS











