ETF-Analyst: Dieses Haus entwickelt sich zum Pac-Man der Branche
Blackrock knackt beim verwalteten Vermögen die Marke von 15 Billionen US-Dollar und baut seine Position immer weiter aus. Der Branchenprimus ist damit längst nicht mehr nur ein Vermögensverwalter, sondern ein Pac-Man der Finanzwelt, meint ETF-Analyst Michael O'Riordan.
Die Fondsgesellschaft Blackrock wird zum Pac-Man der Branche. Dies meint Michael O'Riordan, Gründer und Chef der Beratungsgesellschaft Blackwater ETF. Bei dem Computerspiel Pac-Man wandert eine Figur durch ein Labyrinth und frisst Punkte. Genauso zieht die New Yorker Gesellschaft immer mehr Mittel auf sich. Im ersten Halbjahr sammelte der Branchenprimus unter dem Strich 321 Milliarden US-Dollar an frischem Geld ein. Davon entfallen 178 Milliarden auf die ETF-Sparte iShares.
Das Haus verwaltet nunmehr insgesamt das Rekordvolumen von 15,3 Billionen Dollar. "Das ist nicht nur eine Frage der Größe", meint O'Riordan. "Das ist Pac-Man." Um das Ausmaß zu verdeutlichen, zieht er einen Vergleich zu anderen Marktsegmenten. So umfassen rund um den Globus börsengehandelte Produkte, also ETFs und ETPs, aktuell ein Volumen von etwas mehr als 23 Billionen Dollar. Die weltweite Hedgefonds-Branche kommt auf ein Volumen von 5,2 Billionen Dollar. Blackrock wiederum habe allein seit 2020 netto 6,6 Billionen Dollar an Neugeld anziehen können.
"Das ganze Labyrinth verschlingen"
Die Größenvergleiche hinken zwar, räumt O'Riordan ein. Doch es komme hierbei überhaupt nicht auf eine saubere Gegenüberstellung an. "Blackrock ist nicht mehr nur ein weiterer Vermögensverwalter", erläutert der Branchenkenner. "Das Unternehmen entwickelt sich zu einer Finanzinfrastruktur." Der Vorteil der Gesellschaft liege nicht in einem einzigen günstigen ETF. "Es ist das gesamte System drumherum: ETFs, Technologie, private Märkte, Altersvorsorge, institutionelle Mandate und ein Vertriebsnetz, das stark genug ist, um den Rest des Marktes mitzureißen", führt O'Riordan aus.
Die Übernahme von Barclays Global Investors (BGI) samt der Marke iShares im Jahr 2009 sei nicht einfach nur eine großartige Akquisition gewesen. "Es war der Moment, in dem Pac-Man groß genug wurde, um das ganze Labyrinth zu verschlingen", meint O'Riordan. "Damit sicherte sich Blackrock die branchenweit führende Vertriebsplattform, noch bevor die meisten Wettbewerber erkannten, dass nicht die Produkte, sondern der Vertrieb darüber entscheiden würde, wer am Ende als Sieger hervorgeht." Wenn Blackrock in eine neue Produktkategorie einsteige, werde dies zum Wegweiser für die gesamte Branche.
"Nicht vor Pac-Man stellen"
Die Botschaft, die von dieser dominanten Stellung an den Rest der Branche ausgehe, sei unmissverständlich. "Mischen Sie sich nicht dort ein, wo Pac-Man bereits am Werk ist", folgert O'Riordan. "Konkurrieren Sie dort, wo er nicht präsent ist: in bank- oder versicherungseigenen Vertriebsnetzwerken, in Spezialsegmenten, durch besseren Service oder in Bereichen der Infrastruktur, die er nicht abdeckt." Die ETF-Branche brauche kein weiteres Haus wie Blackrock. "Sie braucht Unternehmen, die klug genug sind, sich nicht vor Pac-Man zu stellen", resümiert O'Riordan. (ert)















