Jene knapp 35.000 Kunden – vorwiegend deutsche Staatsbürger – die in der Wiener Sberbank Europe AG ihr Geld liegen hatten, können bald mit Entschädigung rechnen. Erste Überweisungen finden laut der Österreichischen Einlagensicherung (ESA) diese Woche statt.

Die ESA hat nach Eigenangaben am 9. März Briefe an alle Einleger versendet, in denen die weiteren Schritte erklärt werden. "Grundsätzlich benötigen wir für die Überweisung des Entschädigungsbetrags vom Einleger die IBAN eines Kontos bei einer anderen Bank", sagt Stefan Tacke, Geschäftsführer der ESA. In manchen Fällen sei zusätzlich die Kopie eines amtlichen Lichtbildausweises erforderlich. Kunden selbst müssen keinen Antrag stellen. Das Geld wird automatisch überwiesen, sobald die ESA beziehungsweise die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) die erforderlichen Informationen hat.

Deutsche Kunden erhalten knapp eine Milliarde Entschädigung
Betroffen vom Aus des Kreditinstituts sind fast ausschließlich Deutsche. Die Wiener Sberbank hatte in Frankfurt eine Niederlassung unter dem Markennamen Sberbank Direct unterhalten. Abgewickelt wird die Entschädigung von der ESA. Diese arbeitet bei Auszahlungen in das Nachbarland mit der EdB zusammen. In Österreich selbst gab es nur rund 120 Einleger (reine Firmenkunden).

Einlagekunden erhalten im Sicherungsfall maximal 100.000 Euro zurück. In Sonderfällen, etwa bei einer kürzlich erfolgten Abfindung oder nach dem Verkauf einer privat genutzten Immobilie, können es auch bis zu 500.000 Euro sein. Das ist ein EU-weit vorgegebener Standard. Insgesamt sind nach diesem Schema bei der Wiener Sberbank Einlagen in Höhe von 947 Millionen Euro gedeckt, müssen also ausgezahlt werden. Davon erhalten 939 Millionen Euro Kunden in Deutschland.

Zwangsstilllegung
Die Sberbank Europe AG wurde am 1. März auf Anweisung der europäischen Zentralbank (EZB) geschlossen. Ihre Liquiditätsausstattung war durch Mittelabflüsse rund um den Russland-Krieg gegen die Ukraine eingebrochen. Es handelt sich um eine 100-Prozent-Tochter des größten russischen Bankkonzerns Sberbank of Russia.

Gestemmt wird die Entschädigungszahlung in diesem Fall zur Gänze von allen österreichischen Banken. Es müssen nicht nur die ESA-Mitgliedsinstitute zahlen, sondern auch Banken, die über jeweils autonome Sicherungseinrichtung verfügen und eigentlich nur für Pleiten aus den eigenen Reihen geradestehen. Das sind in Österreich die Raiffeisen Bankengruppe, die seit Ende 2021 ein internes Sicherungsnetz hat und der Sparkassensektor (seit 2019). Grund für die Beteiligung am Sberbank-Ausfall ist eine Übergangsregelung. Institute, deren Konzession zwischen dem 3. Juli 2005 und dem 31. Dezember 2017 erteilt wurde, oder die in diesem Zeitraum den Fachverband wechselten, befinden sich in einem "gesonderten Rechnungskreis", in den außer der Sberbank noch fünf weitere Banken fallen. Tritt hier ein Sicherungsfall auf, zahlen laut Gesetz alle mit. (eml)