Die Erste Group hat in ihre A1-Glasfaserinfrastruktur eine Quanten-Sicherheitslösung der österreichischen Quanten-Sicherheitspezialistin Zerothird eingebaut, teilt das Unternehmen mit.

Nach Eigenangaben ist es das erste Mal, dass eine europäische Bankengruppe sogenannte "verschränkungsbasierte Quantenverschlüsselung" (Entangled Quantum-Key-Distribution, eQKD) einsetzt. Bei dieser QKD-Methode werden identische Schlüssel an beiden Enden erzeugt, ohne dass der Schlüssel selbst übertragen wird.

Quantenverschlüsselung
Heutige Verschlüsselungsmethoden basieren auf mathematischer Komplexität; sie zu knacken braucht hohe Rechenleistung. Quantenverschlüsselung nutzt hingegen die Gesetze der Physik, insbesondere den Effekt, dass eine Beobachtung ein System verändert – ein Eindringling würde erkannt, weil er die Quantenkorrelation stört. Es wird davon ausgegangen, dass leistungsfähige Quantencomputer (bis jetzt nicht kommerziell im Einsatz) die momentan üblichen Cyberschutzbarrieren vergleichsweise leicht durchbrechen können. 

Die Quantenver- und Entschlüsselung im Pilotprojekt laufe "einwandfrei", heißt es bei der Erste Group. Sie arbeitet nun mit ihren Partnern an der Überwindung von Distanzproblemen. Aufgrund der physikalischen Signaldämpfung in Glasfasern gelte die Entfernung als "enorme Herausforderung" für die Quantenschlüsselübertragung. Der nächste Schritt: In einem von Zerothird geleiteten Projekt unter dem Schlagwort "Quapital", an dem auch die EU beteiligt ist, soll eine quantensichere Verbindung zwischen den Finanzplätzen Wien und Frankfurt errichtet werden.

Zentrale Glasfaserinfrastruktur
2022 war es Forschern des Wiener Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) bereits im Rahmen des "Quapital"-Projekts gelungen, verschränkte Photonen via Glasfaser über 248 Kilometer zu senden. Dies im Unterschied zu Satellitenverbindungen, auf denen sichere Quantentransfers bereits über Tausende Kilometer bestätigt wurden. Die Tauglichkeit im Medium Glasfaser ist strategisch zentral für einen Masseneinsatz der Quantentechnologie. Über Glasfaser läuft zum einen großteils die digitale Kommunikation, zum anderen bietet die Kabel-Infrastruktur physikalische Stabilität und Überwachbarkeit.

Bereits 2004 hatte ein Team um den Forscher und späteren Nobelpreisträger Anton Zeilinger die erste quantenverschlüsselte Banktransaktion verkündet. Damals zwischen dem Wiener Rathaus und der nahegelegenen Bank Austria. (eml)