Unwissen und Unsicherheit herrschen unter der jungen Generation, wenn es um das Thema Finanzbildung geht. Es mangelt an Vertrauen in die eigene Kompetenz. Der finanziellen Zukunft sehen viele deshalb auch skeptisch entgegen. Das belegt der aktuelle YEP Jugendbericht im Auftrag des Erste Financial Life Park (FLiP), bei dem 14- und 20-Jährige befragt wurden (repräsentativ für diese österreichische Bevölkerungsgruppe). Nur jeder fünfte Jugendliche weiß genau, wieviel Geld er im Monat ausgibt. Jeder Sechste hat überhaupt keine Übersicht über sein Budget und jeder Fünfte hat Sorge, geborgtes Geld nicht mehr zurückzahlen zu können. Die Corona-Pandemie hat diese Unsicherheit zusätzlich erhöht. "Das muss man wirklich ernst nehmen. Die nationale Finanzbildungsstrategie muss deshalb dringend mit Leben gefüllt werden", so Bernd Spalt, CEO der Erste Group.

"Mit dem FLiP können wir Interesse für Finanzthemen wecken und verständlich machen, wie wichtig es ist, sich mit der eigenen finanziellen Situation auseinanderzusetzen. Wir sind mit unserer Arbeit allerdings noch lange nicht am Ziel. Wir wollen der Jugend eine Stimme geben und setzen deshalb ab sofort einen Jugendbeirat ein. Das fünfköpfige Gremium soll uns dabei unterstützen, genau die Themen zu bearbeiten, die den Jugendlichen wichtig sind und wo sie sich allein gelassen fühlen", so Philip List, Leiter des FLiP.

Jugendliche fordern mehr Finanzbildung in Schulen
Kritisch sieht die Jugend das Finanzbildungsangebot im Unterricht. Auf einer Bewertungsskala von eins bis zehn schneidet die Wissensvermittlung im Schulunterricht hier mit einem Durchschnittswert von 3,6 desaströs ab. Dass Finanzbildung für das berufliche Fortkommen und eine positive Zukunft essenziell ist, haben Österreichs Jugendliche allerdings längst erkannt. Laut der aktuellen Studie herrscht ein klarer Wunsch nach mehr Informationen und Praxisorientierung zu Geld- und Finanzthemen.

„Finanzbildung kann jedoch nicht alleine die Aufgabe von Unternehmen sein. Finanzbildung muss jetzt wirklich Einzug in den Pflichtschulunterricht finden. Auch das Lehrpersonal muss dahingehend geschult werden", so der Erste-Bank-CEO. Das fordern auch die Jugendlichen. Die 14- bis 20-Jährigen wünschen sich vor allem in der Primar- und Sekundarstufe 1 gezielte Finanzbildung. Ihre Begründung: In der Schule werden alle jungen Menschen losgelöst von ihrem familiären Hintergrund erreicht. Außerdem ist es der Ort schlechthin, um korrekte und unabhängige Informationen vermittelt zu bekommen. 

Familie als Wissensquelle
Woher nimmt die junge Generation aber ihr Wissen zu Finanzen und Geld? Eine zentrale Rolle spielt laut der Umfrage das eigene Elternhaus. Rund 20 Prozent geben an, zuhause oft über Geld zu sprechen – bei der Hälfte der Befragten ist das zumindest manchmal der Fall. Bei einem  Drittel wird das Thema Finanzen & Co allerdings kaum bis gar nicht angesprochen. Dabei herrscht ein enormer sozialer Unterschied, denn Jugendliche aus bildungsfernen Schichten sind hier deutlich benachteiligt. Laut der aktuellen Studie sehen die Befragten auch Aufholbedarf im familiären Umfeld und wünschen sich mehr Einblicke und offene Gespräche über Geldangelegenheiten. (gp)