Krypto-Milliardär Justin Sun und seine Unternehmen haben World Liberty Financial, ein Krypto-Projekt, das von US-Präsident Donald Trump mitgegründet wurde, verklagt. Sun wirft dem Unternehmen Erpressung und ein "illegales System" vor, um seine Token zu übernehmen. In einer am Dienstag (21.4.) vor einem Bundesgericht in San Francisco eingereichten Klage erklärte Sun zudem, dass "World Liberty kurz vor dem Zusammenbruch steht" und stellte infrage, ob ausreichende Reserven vorhanden sind, um den Stablecoin USD1 zu decken.

Sun investierte laut Klageschrift insgesamt 45 Millionen US-Dollar in WLFI-Token und erhielt zusätzliche Token für seine Beratertätigkeit. Das Verhältnis zum Projekt habe sich jedoch verschlechtert, nachdem er weitere Unterstützung abgelehnt habe.

Streit um Token-Kontrolle
Sun wirft World Liberty vor, "heimlich Befugnisse installiert" zu haben, um seine Token einzufrieren und deren Verkauf zu verhindern. Seine Unternehmen hätten dadurch Schäden "in Höhe von mehreren Hundert Millionen Dollar" erlitten.

Zudem habe sich das Projekt Möglichkeiten gesichert, Token zu vernichten ("burnen") sowie Transfers einzuschränken. Auch Änderungen an der Struktur hätten es erlaubt, Token zwischen Nutzern umzuschichten.

Vorwürfe von Druck und Drohungen
Nach Darstellung Suns setzte ihn World Liberty unter Druck, in den Stablecoin USD1 zu investieren und dessen Nutzung auf der Tron-Blockchain zu fördern. Zudem habe das Unternehmen versucht, eine Beteiligung an der Holdinggesellschaft zu erzwingen. Als er dies abgelehnt habe, sei das Verhältnis eskaliert. Ein Mitgründer habe damit gedroht, seine Token zu vernichten, zudem habe das Unternehmen mit rechtlichen Schritten gedroht – ein Vorgehen, das Sun als Erpressung wertet.

Sun führt das Einfrieren seiner Token unter anderem darauf zurück, dass er Token im Wert von 100 Millionen Dollar eines Trump-Memecoins gekauft habe.

Zweifel an finanzieller Stabilität
Sun sieht World Liberty zudem finanziell unter Druck. Das Unternehmen habe einen Kredit aufgenommen und Token als Sicherheit hinterlegt, verfüge jedoch nach eigener Darstellung über ausreichend Kapital.

Sun fordert vom Gericht, seine Token freizugeben, Schadenersatz zuzusprechen und weitere Eingriffe zu untersagen. Gleichzeitig können frühe Investoren weiterhin den Großteil ihrer Token nicht handeln.

Heftiger Schlagabtausch auf X
In den vergangenen Wochen eskalierte der Konflikt zunehmend öffentlich – mit gegenseitigen Vorwürfen auf der Plattform X. "Leider haben bestimmte Personen im Team des World-Liberty-Projekts das Projekt in einer Weise betrieben, die nicht mit den Werten von Präsident Donald Trump übereinstimmt", erklärte Sun dort.

Darauf reagierte Zach Witkoff, Co-Gründer und CEO von World Liberty Financial, mit scharfer Kritik: "Justins Suns kürzliche Klage ist ein verzweifelter Versuch, die Aufmerksamkeit von Suns eigenem Fehlverhalten abzulenken. Seine Ansprüche sind vollständig unbegründet, und World Liberty freut sich darauf, den Fall prompt abweisen zu lassen. Er hat Fehlverhalten begangen, das World Liberty dazu zwang, Maßnahmen zum Schutz seiner selbst und seiner Nutzer zu ergreifen. World Liberty wird alle notwendigen Schritte unternehmen, um seine Gemeinschaft weiterhin zu schützen."

Auch Eric Trump, Executive Vice President der Trump Organization sowie Co-Gründer und Frontmann von World Liberty Financial, schaltete sich ein und kommentierte: "Das Einzige, was lächerlicher ist als dieser Rechtsstreit, ist, sechs Millionen Dollar für eine Banane auszugeben, die mit Klebeband an einer Wand befestigt ist. Wir sind unglaublich stolz auf das World-Liberty-Financial-Team…"

Trump spielt damit auf das Kunstwerk an, für das Sun im November 2024 bei Sotheby's 6,2 Millionen Dollar zahlte: eine von einem italienischen Künstler mit Klebeband an einer Wand befestigte Banane. (mb/Bloomberg)