Sergio Ermotti hätte eigentlich auf der Zielgeraden sein sollen. Seit seiner Rückkehr an die Spitze der UBS im Jahr 2023 steuert der Manager die Bank durch eine der größten Integrationstransaktionen der jüngeren Finanzgeschichte – den Zusammenschluss mit der Credit Suisse. Doch noch ist der Sieg nicht in Sicht: Der Ausgang eines zähen Ringens mit der Schweizer Regierung über die Kapitalanforderungen des vergrößerten Instituts wird erst in einigen Jahren feststehen.

Nachfolgefrage gewinnt an Brisanz
Damit bekommt die Frage, wer Ermotti nachfolgen soll – und wann –, neues Gewicht. Sowohl die Bank als auch ihr Chef haben signalisiert, dass er Ende 2026 oder Anfang 2027 abtreten werde, wobei ihm der Weg zum Verwaltungsratspräsidenten offenstehen könnte.

Allerdings wünschen sich einige Führungskräfte laut mit der Sache vertrauten Personen, dass Ermotti länger bleibt – vor allem angesichts der bevorstehenden Auseinandersetzungen mit der Schweizer Politik über eine von der UBS als "extrem" bezeichnete Kapitalanforderung von 26 Milliarden US-Dollar. Ein längerer Verbleib würde Kontinuität an der Spitze sichern, während die geplante Kapitalreform ihren Weg durchs Parlament nimmt. Zugleich hätte ein möglicher Nachfolger mehr Zeit, seine Eignung zu zeigen. Die UBS lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Gedämpfte Stimmung trotz erfolgreicher Integration
Investoren haben Ermottis bisherige Leistung gewürdigt: Die komplexe Integration der Credit Suisse verläuft erfolgreich. Seit der Rettung ist die UBS-Aktie um rund 75 Prozent gestiegen, Altlasten wurden bereinigt, Stellen abgebaut, und die Vermögensverwaltung verzeichnet kräftige Zuflüsse.

Trotzdem dürfte die Stimmung am 29. Oktober, wenn die UBS die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt, gedämpft sein. Neben der Kapitaldebatte wird Ermotti sich Fragen zu weiteren Problemen stellen müssen – etwa zum Engagement der Bank im Zusammenhang mit der Insolvenz von First Brands, von der verschiedene Institute betroffen sind, sowie zu einem kürzlich ergangenen Gerichtsurteil, das den AT1-Anleihegläubigern der Credit Suisse neue Hoffnung auf eine mögliche Auszahlung gibt.

Der Fall First Brands ist bereits das zweite Risikomanagement-Versagen innerhalb eines Jahres. Schon im Mai hatten wohlhabende Schweizer Kunden erklärt, sie hätten die Risiken bestimmter Derivate nicht verstanden, nachdem sie wegen US-Präsident Donald Trumps "Liberation Day"-Zollankündigungen hohe Verluste erlitten hatten.

Gerichtsurteil bringt neue Unsicherheit
Hinzu kommt ein neues Urteil eines Schweizer Gerichts, das weitere rechtliche Unsicherheit schafft: In einer überraschenden Entscheidung erklärte das Gericht die Anordnung der Schweiz aus dem Jahr 2023, rund 17 Milliarden Dollar an AT1-Wandelanleihen der Credit Suisse zu streichen, für rechtswidrig. Zwar ist das Urteil weder endgültig noch vollzogen, doch es nährt die Befürchtung, die UBS könne zur Mitfinanzierung möglicher Entschädigungen herangezogen werden.

Bereits jetzt wittern Hedgefonds Chancen auf eine Auszahlung – ob vom Staat oder von der UBS, ist offen. Anwälte der ehemaligen AT1-Investoren spekulieren, das Urteil könne eine Entschädigung der Anleger oder sogar die Wiedereinsetzung der Papiere implizieren.

Kapitalfrage bleibt ungelöst
Laut der Nachrichtenagentur "Bloomberg" hat die UBS unlängst eine geplante Risikoübertragungs-Transaktion im Volumen von 2,5 Milliarden Dollar auf Eis gelegt. Mit solchen Geschäften können Banken Kapital freisetzen; weshalb die UBS darauf verzichtete, obwohl der Markt für solche Deals wächst, ist unklar.

Über allem schwebt jedoch die Kapitalfrage. In den Verhandlungen mit der Regierung über die geplante Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen um 26 Milliarden Dollar ist bislang kaum Fortschritt zu erkennen. Eine Abstimmung wird frühestens 2027 erwartet – und möglicherweise kommt es sogar zu einem Referendum.

Diese Unsicherheit belastet die UBS-Aktie, die im laufenden Jahr hinter anderen europäischen Banken zurückgeblieben ist, auch wenn sie zuvor höher bewertet war. Das Aktienrückkaufprogramm für 2026 will die UBS erst nach den Ergebnissen des vierten Quartals im Januar konkretisieren.

Investoren fordern klare Linie
Mindestens ein Großaktionär drängt im Streit mit der Aufsicht auf radikale Lösungen. Der aktivistische Investor Cevian, der rund 1,4 Prozent hält, hat erklärt, die Bank werde sich "letztlich aus der Schweiz verabschieden" und ihren Sitz anderswo nehmen müssen.

Während das Management kämpft, erscheint der Wunsch von Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher nach einer "voraussehbaren und glaubwürdigen Nachfolgeregelung mit mehreren Kandidaten" dringlicher denn je. Nach Angaben von Eingeweihten gelten Rob Karofsky, Leiter des Amerika-Geschäfts, und Iqbal Khan, Chef der Region Asien-Pazifik, als aussichtsreichste interne Kandidaten.

Umbau im Management
Ein Zeichen für den Fortschritt der Integration ist der jüngste Managementumbau vom Freitag (24.10.): Beatriz Martin wird zusätzlich zu ihrer bisherigen Rolle als Leiterin des Nicht-Kern- und Altgeschäfts Chief Operating Officer. Finanzchef Todd Tuckner übernimmt die Verantwortung für Regierungs- und Regulierungsfragen.

Diese Veränderungen sollen die UBS laut Ermotti in die Lage versetzen, "die Integration erfolgreich abzuschließen" und sich "auf Wachstumschancen zu konzentrieren". (mb/Bloomberg)