Die Amsterdamer ABN Amro Bank hat angekündigt, fast ein Fünftel ihrer Belegschaft abzubauen – ein drastischer Schritt, mit dem die neue Vorstandschefin Marguerite Berard die Profitabilität des Instituts steigern will.

Der geplante Abbau von 5.200 Vollzeitstellen gegenüber dem Vorjahresstand soll innerhalb der kommenden drei Jahre erfolgen, rund die Hälfte davon durch natürliche Fluktuation, wie die niederländische Bank am Dienstag (25.11.) mitteilte.

Unterstützung für Betroffene
Die Stellenstreichungen basieren auf einer Belegschaft von 27.500 Mitarbeitenden, einschließlich Beschäftigten aus übernommenen Unternehmen. ABN Amro kündigte an, jene Mitarbeiter zu unterstützen, die ihren Arbeitsplatz verlieren – "mit einem robusten Sozialplan, der finanzielle Hilfe und Unterstützung bei der Suche nach neuen Möglichkeiten bietet".

Neue Chefin treibt Kostensenkungen voran
"Wir wissen, dass wir mehr tun müssen, um unsere Gewinne und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern", erläuterte Berard. Die Aktien von ABN Amro stiegen im frühen Handel in Amsterdam um bis zu 4,6 Prozent, im laufenden Jahr haben sie rund 86 Prozent zugelegt.

Berard, die im April Robert Swaak ablöste und als erste Frau an die Spitze der Bank rückte, hat angekündigt, Kosten zu senken und das Kapital effizienter einzusetzen. Der Umbau hat bereits begonnen: Dieses Jahr sind rund 1.000 Vollzeitstellen entfallen. Zudem stellte sie in diesem Monat mit dem Kauf der NIBC Bank die größte Übernahme vor, die ABN Amro seit der Wiederaufnahme der Börsennotierung vor zehn Jahren gewagt hat.

Laut der Mitteilung vor dem Kapitalmarkttag am Dienstag strebt die Bank an, die Eigenkapitalrendite bis 2028 auf mindestens zwölf Prozent zu erhöhen und die Kosten-Ertrags-Quote unter 55 Prozent zu senken.

Fokus auf Hypotheken und Wealth Management
Berard will insbesondere das Hypothekengeschäft und das Wealth Management ausbauen und sich zugleich von "unprofitablen Engagements" trennen. Am Dienstag meldete das Institut eine Einigung über den Verkauf der Tochter Alfam, einer Sparte für Privatkredite, an die Rabobank.

Zudem will ABN Amro den Anteil des Firmenkundengeschäfts an den risikogewichteten Aktiva auf etwa 50 Prozent reduzieren. In dieser Sparte sollen die risikogewichteten Aktiva um zehn Milliarden Euro sinken.

Potenzial in mehr Zusammenarbeit
"Unser Plan basiert auf allen unseren Geschäftsbereichen", sagte Berard in einem Interview und verwies auf das Potenzial für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Firmenkundengeschäft und Vermögensverwaltung.

Der Mitte November angekündigte Kauf der NIBC Bank von Blackstone für 960 Millionen Euro wird die Position von ABN Amro in den Niederlanden weiter stärken. Zudem hat die Bank kürzlich den Erwerb der Frankfurter Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe abgeschlossen. (mb/Bloomberg)