Das Unternehmen Österreichisches Münzkontor hat offenbar den alten Anlegerwitz beherzigt, wonach es einfach ist, auf ein Vermögen von 600 Euro zu kommen: Man investiere einfach 20.000 Euro. Genau so ist es einer Konsumentin des Münzkontors ergangen. Das Handelsgericht Wien hat die Sammlung der Betroffenen, die 20.889,30 Euro investierte, auf einen Materialwert von 669,77 Euro und einen Belehnwert von 517,78 Euro geschätzt. Die Frau hatte dafür wesentliche Teile ihrer Ersparnisse von Sparbüchern behoben. Die Werbung des Österreichischen Münzkontors wurde nun als irreführend eingestuft, wie der Verein für Konsumenteninformation (VKI) mitteilt.

Der VKI hatte im Auftrag des Sozialministeriums die "HMK V AG" geklagt,  die unter dem Namen "Österreichisches Münzkontor" auftritt. Hauptgegenstand des Verfahrens waren die Vertriebsmethode und die Bewerbung der Münzen und Medaillen als Anlageprodukt. Das HG Wien untersagt nun dem Münzkontor unter anderem, von ihm vertriebene wertlose Medaillen beziehungsweise Münzen als "Anlageobjekte" zu bewerben sowie Verbrauchern unaufgefordert Medaillen oder Münzen zuzusenden, die diese dann entweder bezahlen oder zurücksenden müssen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Fragwürdige Vertriebsmethoden
Die Werbemaßnahmen des Münzkontors richten sich zielgerichtet an ältere Personen, schreibt der VKI. Ihnen wird zunächst erklärt, sie seien einer "der wenigen Auserwählten", die zu einem besonders günstigen Preis eine kostbare Rarität erwerben können – dies aber nur binnen einer kurzen Zeitspanne. Die auf den Bestellscheinen vorgegebene Zustimmungserklärung zu diesem Sammler-Service findet sich nur im Kleinstdruck, heißt es. In Folge schickt der Unternehmer den Kunden unaufgefordert weitere Münzen und Medaillen, die diese entweder bezahlen oder binnen einer bestimmten Frist zurücksenden müssen.

"Dem Österreichischen Münzkontor ist damit eine aggressive Geschäftspraktik vorzuwerfen", so der VKI. Der Durchschnittsverbraucher gehe davon aus, dass er einen Einzelartikel bestellt und rechne nicht damit, dass das Angebot ein Sammler-Service einschließt, mit dem die Handlungsverpflichtung einhergeht, nicht bestellte Waren zurücksenden oder bezahlen zu müssen. Vielen Kunden ist die Rücksendung aus körperlichen Gründen beschwerlich oder nicht möglich, weil sie schlecht zu Fuß sind und das Haus kaum verlassen können; andere fühlen sich dazu verpflichtet, auch diese Zusendung anzunehmen und zu bezahlen.

Zusätzlich beurteilte das Gericht das Sammler-Service auch als intransparent, weil sich daraus nicht ergibt, wie oft, wie lange und zu welchem Preis der Kunde Waren erhält. Aufgrund eines solchen Sammler-Services zugesendete Medaillen und Münzen lösen daher keine Zahlungsverpflichtung des Kunden aus.

Irreführung über die Eignung der Medaillen und Münzen als Anlageobjekte
Das vorwiegend ältere Zielpublikum betrachte die angebotenen Münzen und Medaillen als Anlageobjekt oder als Krisenwährung und glaube an die oft genannten Wertzuwachschancen. Tatsächlich sei die Ware aber nur ein Bruchteil der bezahlten Preise wert und sie diene "weder jetzt noch in Zukunft der Vermögensanlage", heißt es weiter. "Wie das Handelsgericht richtig feststellte, ist hier von einer besonders schutzwürdigen Verbrauchergruppe auszugehen. Die Geschichten, die hinter diesen Personen stehen, haben uns teilweise sehr betroffen gemacht", sagt Barbara Bauer, zuständige Juristin im VKI. (eml)