Der deutsche Fondsanbieter DJE Kapital will angesichts der Corona-Krise keine Änderungen an seinen jüngst bekannt gegebenen Expansionsplänen vornehmen. Das sagt Vertriebsvorstand Thorsten Schrieber.

Rückgang zwischen sieben und neun Prozent
DJE habe beim verwalteten Vermögen Corona-bedingt einen Rückgang zwischen sieben und neun Prozent. Ein moderater Wert, da viele Märkte Abschläge um die minus 30 Prozent aufweisen. Der Rückgang beim Kundenvermögen ergebe sich hauptsächlich aus den Wertverlusten an den Börsen, so Schrieber. Hingegen habe es keinen nennenswerten Abzug von Kundengeldern gegeben. Daher werde sich das Ende 2019 verkündete Ziel, die verwalteten Kundenvermögen von 13,1 auf 20 Milliarden Euro zu steigern, zeitlich "nur etwas nach hinten verlagern", sagte der DJE-Vorstand im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Er sieht den Markteinbruch im Zuge der Corona-Pandemie als Auftrag an das eigene Unternehmen, künftig die Kunden stärker auf die Unterschiede zwischen aktiven und passiven – oder quasi passiven ("Indexschmuser") – Portfolioverwaltern aufmerksam zu machen. "Wir haben gesehen: Wenn alle ihre ETFs auf den Markt werfen, und diese in den gleichen Unternehmen investiert sind, dann werden auch die aktiven Manager, die in diesen Titeln sind, in die Tiefe gerissen", so Schrieber. Es sei die Aufgabe aktiver Manager, sich in Papieren zu bewegen, "wo nicht so viel ETF-Material drinsteckt, um sich unabhängiger von den Herdenbewegungen zu machen".   

Kritischer über ETFs nachdenken – auch in Österreich Diskussionsbedarf
Es werde von DJE keine ETF-Schelte geben. Kurzfristig setze man selbst ebenso darauf – etwa, wenn das Fondsmanagement in einen neuen Markt einsteigen will. "Ich glaube aber, dass man nach dieser Krise systemkritischer wird. Ich denke, es wird zu einer kritischeren Auseinandersetzung kommen, und da wollen wir uns als aktiver Manager stärker einbringen. Wir müssen die Vorteile des aktiven Managements gegenüber unseren Kunden und anderen Interessenten wirklich mehr herausarbeiten", so Schrieber.

Das gilt auch für die angepeilte Ausweitung des Geschäfts in Österreich. DJE werde im hier wichtigen Wholesale noch aktiver vorgehen. "Im Dachfondsbereich streben wir eine stärkere Kommunikation mit den Dachfondsmanagern an, um da weiter Marktanteile zu gewinnen", sagt Schrieber. Die Chancen seien gut, da die Dachfondsmandate stark über ETFs strukturiert wurden. "Da hat es natürlich jetzt viele erwischt. Es wird die Aufgabe meiner Vertriebsmannschaft sein, da vorstellig zu werden", so der Vertriebsvorstand. 

Büro in Österreich angedacht
Der österreichische Markt werde derzeit von München heraus betreut. In den nächsten zwei Jahren könnten aber Personen auch in Österreich stationiert werden. "Unsere grundsätzliche Ausrichtung hat sich nicht geändert", sagt Schrieber. Einige Kundenveranstaltungen, die aufgrund der gesetzlich verordneten Corona-Einschränkungen ausgefallen sind, konnten durch digitale Events ersetzt werden. "Nach der Krise werden wir unsere Akquisitionsbemühungen in Österreich wieder ganz hochfahren", so Schrieber. 

Indes zeigt sich, dass bei etlichen Kunden ohnehin nicht nur Krisenstimmung herrscht, sondern schon wieder aktiv Chancen gesucht werden. Im institutionellen Bereich wurden teilweise Budgeterweiterungen unterzeichnet. "So können wir auf dem Tiefpunkt für den einen oder anderen Kunden günstige Qualitätstitel einkaufen", sagt Schrieber. 

Gelassenheit im Retail
Im Segment Retail sei die Stimmung – anders als man vermuten könnte – relativ gelassen. Auch hier gelinge es, zu erklären, dass die schwierigen Zeiten bereits wieder selektiv Einstiegsniveaus bieten. "Der gesamte deutsche Aktienmarkt notiert unter dem Buchwert. Wenn die Vermögenswerte der Dax-Unternehmen mehr wert sind, als der Börsenwert, dann stecken da eine Menge Chancen drinnen", so Schrieber. Außerdem liefern die aktuellen Turbulenzen dem Verkauf von Sparplänen wieder gute Argumente, wo durch den regelmäßigen Anteilserwerb Dellen geglättet werden (Cost Average-Effekt). 

Die Kunden von DJE lägen nach dem Einbruch der Märkte mit durchschnittlich zehn Prozent im Minus, während man mit ETFs oft ein Drittel des Wertes verloren habe. Der Performance-Unterschied ergebe sich hauptsächlich aus der Cashquoten-Steuerung. Man werde solche Unterschiede künftig im Kundengespräch deutlich ansprechen. "Dass wir keine signifikanten Anteilsrückgaben haben, hängt auch damit zusammen, dass einer unserer Blockbuster, der von Jan Ehrhardt gemanagte DJE Zins & Dividende, nur moderat verloren hat", so Schrieber. Sehr wohl würde aber Geld aus Aktienfonds abgezogen und in konservative Rentenfonds oder in den Bereich Short Bonds umgeschichtet, um sich im volatilen Aktienmarkt stabiler zu positionieren. 

Dividenden als wesentlicher Stabilisierungsfaktor
DJE-Portfoliomanager hätten in den vergangenen Wochen "so genannte langweilige Titel wie Versorger aufgestockt, die auch in Zukunft Dividenden abwerfen", sagt Schrieber. Dividenden seien einer der wesentlichen Stabilisierungsfaktoren in der aktuellen volatilen Situation. "Selbst in der Finanzkrise konnten viele Unternehmen die Dividendenkontinuität wahren. Wenn wir zusätzlich in der Lage sind, die besseren darunter herauszufiltern, hat das einen sehr positiven Effekt", so Schrieber. Außerdem habe man in den vergangenen Wochen vermehrt auch auf Unternehmen gesetzt, die in der Krise profitieren, wie Digitalisierungsanbieter (Homeoffice) oder breit aufgestellte Konsumgüteranbieter, also auch Firmen, die nicht zu hoch verschuldet sind. 

Robo-Advisor Solidvest kommt nach Österreich
Was die Expansion in Österreich betrifft, will DJE nicht nur bei den Dachfondsmanagern punkten. Vorangetrieben wird auch die digitale Vermögensverwaltung. Der firmeneigene Roboadvisor Solidvest soll im nächsten Quartal nach Österreich kommen, verrät Schrieber. Das Besondere an diesem digitalen Vermögensverwalter ist, dass er nicht wie die meisten Robos in passive Vehikel wie ETFs geht, sondern rein in Einzeltitel, also Aktien und Anleihen. Laut Brokervergleich.de zählt der Robo mit einem Minus von gut zwölf Prozent (01.2. bis 25.3.) zu den besseren Performern in einem Umfeld, wo reine ETF-Robos mitunter das Doppelte verloren haben.

Der Robo sei hauptsächlich als B2C Anwendung gedacht, aber bietet auch B2B-Potenziale, wobei Berater im Rahmen eines Tippgebermodells Provisionen für die Vermittlung von Vermögensverwaltungskundschaft erhalten können. Angesprochen werden der Einzelvertrieb, vor allem aber die größeren Vertriebsstrukturen. Finum, das mit Solidvest bereits in Deutschland kooperiert, soll auch hierzulande Partner sein. Man könne Solidvest darüber hinaus auch bei Bankpartnern einbetten oder als White Label-Lösung anbieten. "B2C ist vorerst der Schwerpunkt bei Solidvest. B2B gewinnt aber durch Kooperationspartner an Momentum", so Schrieber. (eml)