50 Banken und Bankengruppen europaweit haben sich als Kandidaten für die Pilotphase des digitalen Euro beworben, 36 wurden ausgewählt (Liste siehe unten). Beginnen soll der Testlauf laut Europäischer Zentralbank (EZB) in der zweiten Hälfte 2027. Aus der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) war in der Vorwoche zu hören, dass dafür der September 2027 angestrebt wird, gefolgt von einer tatsächlichen Einführung im Jahr 2029.

Beim Versuchsdurchlauf werden die Mitarbeiter teilnehmender Zentralbanken als Test-Anwender eingesetzt. Sie können den digitalen Euro sowohl online als auch offline nutzen, wobei Überweisungen untereinander sowie zu Unternehmen möglich sind. Ziel ist es, die technischen Funktionen und Prozesse zu prüfen und die Verbrauchererfahrung zu verbessern, wie die EZB mitteilt.

"Sehr großes Interesse" bei Unternehmen
OeNB-Direktorin Petia Niederländer betonte in der Vorwoche vor Journalisten, die Zentralbank in Wien gehe gerade aktiv auf Unternehmen aus den Sparten Handel, Tourismus und Mobilität zu, um sie für die Testphase zu gewinnen. "Wir haben schon Gespräche geführt, und wir sind auf sehr großes Interesse der Unternehmen gestoßen", so Niederländer.

Am Pilotprojekt nehmen die EZB und 19 nationale Euroraum-Zentralbanken teil: Belgien, Deutschland, Estland, Irland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Kroatien, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowenien, Slowakei und Finnland. Nicht dabei sind Bulgarien und Malta.

Banken testen verschiedene Rollen
Unter den nun ausgewählten Teilnehmerbanken nehmen einige die Rolle der sogenannten Distributing PSPs (ausgebende Zahlungsdienstleister) ein: Sie stellen den Endanwendern (in diesem Fall den Eurosystem-Mitarbeitern) den digitalen Euro zur Verfügung, sorgen also dafür, dass ein Konto eingerichtet werden kann und Zahlungen ermöglicht werden. Andere treten als Acquiring PSPs auf – als Akzeptanz- oder Händlerdienstleister, die sicherstellen, dass Unternehmen die Zahlungen annehmen können. Einige Anbieter sind in Doppelfunktion tätig.

Getestet wird eine Betaversion ohne gesetzlichen Zahlungsmittelstatus, deren Funktionalitäten sich eng an die Vorgaben im Gesetzesentwurf zum digitalen Euro halten. Wie der digitale Euro final aussieht, muss erst in den Trilogverhandlungen zwischen EU-Kommission, -Parlament und -Rat abgestimmt werden.

Vertrauensbruch durch die USA als Weckruf
Der digitale Euro wird auf EU-Ebene seit rund sechs Jahren vorbereitet. Die Arbeiten gipfelten im Juni 2023 in der Veröffentlichung zweier Gesetzesvorschläge, die nun im Trilog finalisiert werden sollen; mit dem ersten wird der digitale Euro eingeführt, mit dem zweiten die Annahmepflicht von Eurobargeld verankert. Der digitale Euro soll eine Option sein und nicht die Abschaffung des Bargelds herbeiführen. Ein Hauptanliegen ist die Reduktion der strategischen Abhängigkeit Europas.

Grenzüberschreitende Zahlungen in Europa werden heute fast ausschließlich von US-Anbietern abgewickelt, zu zwei Dritteln von Visa und Mastercard. Sämtliche Transaktionsdaten wandern damit auf US-Server, Milliarden an Gebührenzahlungen europäischer Verbraucher fließen jährlich über den Atlantik ab. OeNB-Direktor Josef Meichenitsch verdeutlichte bei einem Medientermin in der Vorwoche die Gefahren der Abhängigkeit anhand der zu Jahresanfang publik gewordenen Causa Internationaler Strafgerichtshof: Einem Richter wurden nach einem aus Sicht der USA unliebsamen Urteil sämtliche Kreditkarten gesperrt sowie die Konten anderer US-Dienstleister wie Amazon, Paypal oder Netflix.

Vorteile für Verbraucher beim Onlinezahlen
Abseits der geostrategischen Unabhängigkeit soll der digitale Euro den Konsumenten erstmals eine bargeldähnliche Souveränität beim Bezahlen im Internet verschaffen: Bargeld ist derzeit die einzige Form von Zentralbankgeld, kostenlos und anonym transferierbar. Bei Zahlungen vom Konto weg wird hingegen privates Geschäftsbankengeld transferiert. Aufgrund der zunehmenden Onlinezahlungen steigt die Marktmacht der privaten Anbieter, die letztendlich die Transaktionsgebühren diktieren können. Der digitale Euro wäre da ein Korrektiv.

Private Übertragungen sollen beim digitalen Euro völlig kostenlos sein. Die Gestaltung von Gebühren im E-Commerce von Händlern an Banken ist noch zu verhandeln, wobei ein Wert unter der heute üblichen Höhe angestrebt wird. Ebenso wird noch über die genauen Bedingungen der Anonymität gesprochen. In der Offlineversion soll der digitale Euro sehr hohe Privatheit bieten, in der Onlinefunktion sollen ebenfalls keine Transaktionsdaten fließen, Banken müssen aber voraussichtlich die gleichen Geldwäschevorkehrungen wie bei Kontotransfers anwenden. (eml)

Diese Banken nehmen an der Pilotphase für den digitalen Euro teil

Quelle: EZB