Deutsches Bankhaus nutzt Kryptowinter für Mitarbeiterverdopplung
Das Bankhaus Scheich hat in den vergangenen Monaten Dutzende neue Mitarbeiter für digitale Assets an Bord geholt – trotz des breiten Einbruchs am Kryptomarkt.
Die Bankhaus Scheich Wertpapierspezialist AG, die für das Bundesland Hessen beschlagnahmte Bitcoin verkaufte, ist eigenen Angaben zufolge sehr beschäftigt, da sich viele institutionelle Kunden während des Kryptowinters für die nächste Boom-Phase in Stellung bringen wollen. Kam Scheich Ende 2021 erst auf 75 Mitarbeiter, davon 40 im Bereich digitale Assets, so sollen es Ende dieses Jahres 135 Mitarbeiter sein, davon 100 für digitale Assets, bestätigte Managing Director Nils von Schoenaich-Carolath im Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg".
Seinen Angaben zufolge schaffen Banken gerade die Infrastruktur, um den Handel von Kryptowährungen im regulierten Umfeld anbieten zu können. Viele Projekte mit Scheich als Dienstleister im Hintergrund liefen derzeit. "Ich bin mir sicher, dass Kryptowährungen beim nächsten Aufschwung bei zahlreichen traditionellen Banken handelbar sein werden", sagte er.
Kooperation mit Universal Investment
Hinzu kämen Asset Manager und andere Unternehmen, die Vorbereitungen dafür träfen, selbst Kryptowährungen erwerben zu können. Namen wollte Schoenaich-Carolath zunächst nicht nennen. Doch zumindest eine neue Kooperation hat Scheich publik gemacht: Für UI Enlyte, eine Tochter der Universal Investment, arbeitet das Institut künftig unter anderem als Handelspartner für Kryptowährungen.
Schoenaich-Carolath räumt ein, dass 2022 bislang ein schwieriges Jahr für Kryptowährungen war und dass das Handelsvolumen deutlich gesunken ist. "Ich bin mir aber sicher, dass dieser Kryptowinter genauso vorübergehen wird wie die beiden vorherigen", sagte er. Mit Kryptowinter werden Phasen bezeichnet, in denen sich digitale Währungen wie Bitcoin schlecht entwickeln.
Schwerpunkt bei Tokenisierung von Assets
Unabhängig von Kryptowährungen treibt Scheich auch die Tokenisierung von Assets voran. In den vergangenen Monaten hat die Bank hier mehrere Pilotprojekte gestartet. So konnten Kunden etwa Anteile an Immobilien und einem Mischfonds kaufen. Bei der Tokenisierung werden Vermögenswerte in kleine, handelbare Einheiten aufgeteilt. Die Möglichkeiten dafür reichen von Immobilien über klassische Wertpapiere wie Bonds bis hin zu Kunstwerken. Nach der Auswertung der ersten Erfahrungen kommt Schoenaich-Carolath zu einem klaren Ergebnis: "Wir sehen unseren Schwerpunkt ganz klar in der Tokenisierung von finanziellen Assets wie Fonds und Schuldverschreibungen."
Scheich hatte im Dezember 2021 für Schlagzeilen gesorgt, als die Bank beschlagnahmte Kryptowährungen im Wert von 100 Millionen Euro für Hessen veräußerte. Mehr Aufträge könnten folgen. "Wir sprechen jetzt auch mit anderen Bundesländern darüber", erklärte Schoenaich-Carolath. (mb/Bloomberg)