Die Deutsche Bank möchte jede fünfte Filiale schließen. Ziel sei es, die Zahl der Zweigstellen von aktuell 511 "so schnell wie möglich" auf 400 zu senken, sagte Philipp Gossow, der das Privatkundengeschäft der Marke Deutsche Bank verantwortet, auf einer Tagung des "Handelsblatts". Mit dieser Zahl an Filialen sei man nach wie vor "flächendeckend präsent".

Mit ihren Plänen reagiert Deutschlands größte Bank auf die Covid-19-Pandemie. Immer mehr Kunden würden Online- und Mobile-Banking akzeptieren, Bargeld spiele eine zunehmend geringere Rolle. Gossow zufolge wollten die Kunden zwar auch weiter durch ihre Bank beraten werden. Aber: "Die Beratung wird mehr außerhalb der Filiale stattfinden", zitiert das "Handelsblatt" den Bankmanager. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 unterhielt die Deutsche Bank bundesweit noch 835 Geschäftsstellen.

Corona lässt das Filialnetz schneller schrumpfen
Auch andere Kreditinstitute, darunter die Commerzbank, dünnen ihr Filialnetz radikal aus. Zahlreiche Zweigstellen, die während des Lockdowns Mitte März bis Mitte Mai vorübergehend geschlossen werden mussten, öffnen erst gar nicht wieder.

Ende vergangenen Jahres gab es in Deutschland insgesamt noch 26.667 Bankstellen, geht aus Zahlen der Bundesbank hervor. Das sind fast 12.000 weniger als zehn Jahre zuvor. Allein in den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Filialen im Schnitt um sechs Prozent pro Jahr gefallen. In den kommenden Jahren dürfte sie sogar um acht Prozent jährlich schrumpfen, prognostiziert das Beratungshaus Investors Marketing. Sein Chef Oliver Mihm rechnet damit, dass es 2025 nur noch 16.000 Zweigstellen geben wird. Den "beschleunigten Abbaueffekt durch Corona" beziffert er auf 3.500. "Aus Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten werden Institute sich teilweise entscheiden, den sowieso geplanten Filialabbau aufgrund des geänderten Kundenverhaltens vorzuziehen", sagt Mihm.

Postbank-Filialen sollen auch Deutsche-Bank-Kunden offenstehen
Bei der Deutschen Bank sperrt sich mal mehr die Gewerkschaft Verdi generell gegen den geplanten Filialabbau. Dies dürfe aber keine reine Kosteneinsparmaßnahme bleiben, betont Jan Duscheck, Leiter der Verdi-Fachgruppe Banken. "Außerdem müssen die Belange der Beschäftigten berücksichtigt werden", zitiert ihn das "Handelsblatt". "Diese sind durch einen Tarifvertrag nicht nur vor Kündigungen geschützt, sondern es gibt auch Zumutbarkeitskriterien für die Versetzung in andere Standorte." Deutsche-Bank-Manager Gossow äußerte sich nicht dazu, wie viele Stellen durch den Filialabbau wegfallen könnten.

Das Kreditinstitut plant, die Filialen ihrer Marke Postbank zumindest teilweise für Deutsche-Bank-Kunden zu öffnen. Sie könnten beispielsweise den Selbstbedienungsbereich der Postbank-Zweigstellen nutzen. Gemeinsame Filialen von Deutscher Bank und Postbank erachtet Gossow dem "Handelsblatt" zufolge nicht als sinnvoll. (bm)