Das chinesische Konglomerat HNA Group hat genauere Angaben zu seiner Eigentümerstruktur gemacht – mit verblüffenden Ergebnissen: Die Eigentümer des Deutsche-Bank-Großaktionärs sind einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zufolge andere als bisher behauptet – was zugleich neue Fragen aufwirft.

Demnach gehört HNA zu 29,5 Prozent einer unbekannten gemeinnützigen Stiftung, die erst im vergangenen Jahr gegründet wurde – in New York. Weitere 22,75 Prozent hält den Angaben zufolge eine zweite Stiftung auf Hainan, wodurch beide zusammen die Mehrheit an dem übernahmefreudigen Unternehmen kontrollieren. Chen Feng und Wang Jian, die beiden Gründer von HNA, besitzen jeweils knapp 15 Prozent der Anteile. Der Rest liegt bei weiteren Gründern, führenden Managern sowie der Fluglinie Hainan Airlines, aus der HNA ursprünglich hervorgegangen ist.

HNA ist seit Mai mit einem Anteil von knapp unter zehn Prozent größter Aktionär der Deutschen Bank. Die chinesische Regierung hat die hochverschuldete Gruppe neben anderen heimischen Privatkonzernen ins Visier genommen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) will die Solidität der HNA Group näher prüfen. Grund sind Berichte, die in China und Amerika kursierten, wonach HNA wie andere hauptsächlich fremdfinanzierte Unternehmen aus China von heimischen wie ausländischen Banken teilweise keine Kredite mehr erhält.

Phantom soll Anteile übertragen haben
Zu Wochenbeginn hat HNA nun in einer in Finanzkreisen Aufmerksamkeit erregenden Mitteilung einen Befreiungsschlag versucht. Zum einen erklärte Vorstandschef Adam Tan, man habe weder mit Banken noch mit Regulatoren ernsthafte Schwierigkeiten. Zum anderen erläuterte das Konglomerat seine Eigentümerstruktur.

Bisher hatte es von HNA stets geheißen, dass der knapp 30-prozentige Anteil, der nun bei der ominösen Stiftung in den USA liegen soll, dem chinesischen Geschäftsmann Guan Jun gehört. Dieser ist allerdings in China völlig unbekannt. HNA hat seine Identität nie gelüftet. Nun erklärt der Konzern, Guan habe jüngst seine Anteile an die Stiftung übertragen.

Doch es gibt noch mehr Merkwürdigkeiten: Nach Informationen der "Börsenzeitung" sorgt in den USA der geplante Erwerb der Hedgefonds-Firma Skybridge durch HNA für Unmut bei Boebachtern, weil deren Gründer und Verkäufer Anthony Scaramucci nach dem Abgang des glücklosen Öffentlichkeitsarbeiters Sean Spicer gerade zum neuen Sprecher des Weißen Hauses berufen wurde. (fp/ps)