Die Schweizer Übernahmekommission hat der chinesischen HNA Group laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) aufgetragen, eine Gebühr von 50.000 Franken zu zahlen. Die Summe ist eher symbolisch zu sehen. Entscheidend ist, was die Behörde damit offiziell anprangert: Die undurchsichtigen Eigentümerverhältnisse bei dem Deutsche-Bank-Großaktionär, der auch Mehrheitseigner der österreichischen Fondsgesellschaft C-Quadrat ist.

Seit einiger Zeit steht die Frage im Raum, wer de facto die Fäden bei dem fernöstlichen Konglomerat zieht. So hält sich etwa hartnäckig der Verdacht, HNA sei in Wirklichkeit ein gut kaschiertes Korruptions- und Geldwäschevehikel für Wang Qishan – die rechte Hand des chinesischen Partei- und Staatschefs Xi Jinping.

Die Eigentümerfrage stellte sich auch die Schweizer Übernahmebehörde, welche die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften bei Firmenkäufen und -fusionen unter Beteiligung eidgenössischer Betriebe überwacht. Anlass war die 2016 erfolgte Übernahme des Schweizer Luftfahrt-Caterers Gategroup durch HNA, bei der die chinesische Gesellschaft nach Ansicht der Übernahmekommission ihre eigenen Besitzverhältnisse nicht korrekt angegeben hat.

Schnelle Eigentümerwechsel
Als HNA im Frühjahr vergangenen Jahres sein Angebot für die Gategroup abgab, soll laut eigenen Angaben HNAs eine Stiftung in China 22,75 Prozent der Anteile gehalten haben, weitere 29,75 Prozent waren angeblich im Besitz zweier Männer: Bharat Bhisé, ein amerikanischer Staatsbürger, und dem Chinesen Guan Jun. Die restlichen 47,5 Prozent sollen den Mitarbeitern des Unternehmens gehörten haben, wobei keiner der Angestellten mehr als drei Prozent der Anteile hielt, so die Zusammenfassung der SZ.

Im Sommer 2017 sei dann plötzlich alles anders gewesen: HNA-Gründer Chen Feng soll 14,98 Prozent der Anteile halten, genauso wie Wang Jian, ein Weggefährte der ersten Stunde. Der ominöse Großaktionär Guan Jun habe sogar kurzzeitig aufstocken können. 29,5 Prozent hielt er alleine, bis seine Aktien in der Zwischenzeit einer Stiftung in den USA überschrieben wurden. Nur am Rande: Diese soll künftig der deutsche Ex-Wirtschaftsminister Philipp Rösler leiten.

"Unwahrer" HNA-Bericht
Der SZ zufolge hat die Schweizer Behörde ihren Untersuchungsbericht vorgelegt. Demnach sollen die Angaben HNA "unwahr oder unvollständig" gewesen sein: Der Amerikaner Bharat Bhisé und der Chinese Guan Jun seien nicht die rechtmäßigen Eigentümer der ihnen zugewiesenen Aktien gewesen sein, sondern Strohmänner. Auch das Konstrukt mit den Mitarbeitern, die angeblich 47,5 Prozent der Anteile hielten, sei nicht korrekt offengelegt worden, rügen die Schweizer Aufseher laut dem Zeitungsbericht. Stattdessen hielten sechs Manager mutmaßlich mehr als 75 Prozent der Anteile. Die Konsequenz: 50.000 Franken Gebühr, umgerechnet 42.750 Euro.

Das chinesische Konglomerat teilte dem Bericht zufolge lediglich mit: "HNA nimmt die Feststellungen der Schweizerischen Übernahmekommission zur Kenntnis." Die Verfügung befasse sich mit "einem sehr spezifischen Ereignis im Mai 2016 in der Schweiz, welches naturgemäß in keiner anderen Rechtsordnung untersucht wird."

Wird EZB HNA nun durchleuchten?
Die SZ stellt die Frage, was das Schweizer Urteil für die Deutsche Bank bedeuten könnte, an der HNA seit Frühjahr 9,9 Prozent hält: Zwar seien Aktionäre nach deutschem Recht ab einem Anteil von drei Prozent verpflichtet, der Finanzaufsicht zu melden, wer in letzter Konsequenz das Sagen hat. HNA hätte demnach eine längere Kette der Konzernstruktur offenlegen müssen. Allerdings war der Konzern wohl nicht verpflichtet zu melden, dass in Wahrheit nur ein Handvoll Personen richtungsentscheidend ist – jedenfalls, solange sie untereinander keinen Konsortialvertrag abgeschlossen haben. In der Schweiz ist das anders. Dort galten die "mysteriösen Sechs" automatisch als gemeinsam agierendes Konsortium.

Damit nicht genug: Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) prüfen ebenfalls seit dem Sommer, ob sie HNA nicht mittels eines sogenannten Inhaberkontrollverfahrens durchleuchten sollen – normalerweise erfolgt eine solche Untersuchung erst ab einer Beteiligungsquote von Prozent. (jb)