Die Geschichte von Teletan hat etwas von Davids Kampf gegen Goliath. Das oberösterreichische Finanzunternehmen hält das Patent für das Zwei-Wege-Autorisierungsverfahren, bei dem mittels SMS-TAN und Zusatzcode die Transaktionen beim Online-Banking bestätigt werden. Millionen von Bankkunden in Europa nutzen dieses Verfahren aus der Sicht von Teletan. Lizenzzahlungen der Banken für die Verwendung hat das Unternehmen aber nie gesehen.

Die Banken pochen darauf, sie würden individuelle Systeme betreiben. Teletan sagt hingegen, die Banken hätten das Verfahren kopiert, nachdem man es der Branche zu Beginn des Jahrtausends präsentiert hatte. Seit 16 Jahren kämpft das Unternehmen nun um finanzielle Entschädigung.

Raiffeisenlandesbank Oberösterreich muss zahlen
Die Gerichte gaben Teletan bis jetzt stets Recht. Das führte dazu, dass die meisten österreichischen Banken mit Teletan vor rund einem halben Jahrzehnt einen Vergleich eingingen. Nur der Raiffeisensektor machte nicht mit. 2014 reichte Teletan Klage gegen die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) ein – stellvertretend für den Raiffeisenverband. Nun gibt es auch in diesem Streit ein Ende. Im September habe das Handelsgericht Wien der RLB OÖ aufgetragen, die Verwendung ihres ELBA-Online-Bankings in der derzeitigen Form zu unterlassen, erklären Teletan und seine Anwälte (Constantin Kletzer, Kanzlei Geistwert und Andreas Gehring, Puchberger & Partner).

Damit die Raiffeisen-Kunden das Verfahren weiterhin verwenden können, hätten sich nun beiden Parteien auf eine Zahlung geeinigt, teilt Teletan mit. Über die Dimension des Deals wurde Stillschweigen vereinbart. Eine mit der Sache vertraute Person sagte gegenüber FONDS professionell ONLINE, man könne davon ausgehen, dass es sich für Teletan ausgezahlt hat. Bei Raiffeisen hieß es nur: "Das Thema ist erledigt".

Deutsche Gerichte dürften 2019 entscheiden
Für Teletan steht nun als nächstes die Frage im Vordergrund, ob die Gerichte in Deutschland sich der österreichischen Entscheidung anschließen. Dort hat Teletan im Jahr 2015 Klage gegen die Sparda-Bank West eingereicht, stellvertretend für alle deutschen Banken, nachdem Gespräche mit der Deutschen Kreditwirtschaft gescheitert waren. Auch in Deutschland standen die Richter bisher auf der Seite von Teletan, Sparda West legte aber stets Revision ein.

Laut Teletan-Anwalt Constantin Kletzer sind gegen die Sparda-Bank West derzeit Gerichtsverfahren beim Oberlandesgericht Düsseldorf sowie vor dem Bundesgerichtshof anhängig. Er gehe davon aus, dass 2019 eine Entscheidung falle, so Kletzer gegenüber FONDS professionell ONLINE.

Bei dem Verfahren von Teletan wird der TAN mit einem weiteren Code kombiniert. Der Server überprüft die SMS-TAN und den Zusatzcode, der im Hintergrund zwischen Bank- und Kunden-Server ausgetauscht wird, auf Echtheit. Erst dann wird die Transaktion freigegeben. "Online-Überweisungen sind dadurch sicherer geworden", so Teletan-Geschäftsführer Bruno Steiner in einer Aussendung. (eml)