Die Compliance-Abteilung einer Bank soll eigentlich dafür sorgen, dass Mitarbeiter sich an geltendes Recht halten. So kontrolliert sie etwa, ob Händler Insidergeschäfte tätigen. Das dient auch dem Schutz der Investoren. Seit die zweite Welle der Pandemie in Deutschland grassiert, fällt vielen Compliance-Verantwortlichen diese Aufgabe aber zunehmend schwerer, berichtet das "Handelsblatt". Ein Grund ist die Zunahme von Heimarbeit unter den Bankangestellten. "Für die Innentäter gibt es jetzt mehr Lücken. Dort liegt das Missbrauchspotential", zitiert die Zeitung Timo Kob, Professor für Wirtschaftsschutz und Cybersecurity in Wien.

Kob berät mehr als ein Dutzend der größten deutschen Geldhäuser und bezeichnet die Lage in Deutschland aus Compliance-Sicht als "Alptraum". Das "Handelsblatt" hat führende Banken gefragt, wie diese ihre internen Kontrollen auch in Corona-Zeiten sicherstellen. Das Ergebnis beruhigt wenig: Die Commerzbank sagte der Zeitung, dass es letztlich die Aufgabe der Führungskräfte sei, sicherzustellen, dass sich auch im Homeoffice alle an Compliance-Richtlinien halten.
 
Kontrolle bleibt fraglich
Die Deutsche Bank erklärt zwar, dass Mitarbeiter auch daheim ausschließlich die von der Bank freigegebenen Kommunikationssysteme nutzen dürfen und bei den bestehenden hohen Sicherheitsstandards keine Abstriche gemacht werden. Die Frage, wie die Bank das überprüft, ließ das Institut aber unbeantwortet. Bei der Deutschen Bank arbeiten der Zeitung zufolge seit Monaten rund 60.000 der weltweit knapp 90.000 Mitarbeiter von zu Hause aus, bei der Commerzbank ist es über die Hälfte der in Deutschland Beschäftigten. (fp)