Drei österreichische Banken unter den ersten fünf: Das ist das Ergebnis im aktuellen Markttest der "Fuchs Richter Prüfinstanz" für das Ranking der Top Vermögensverwalter 2022. Gemeint sind die Privatbanken Carl Spängler (1. Platz), Schelhammer Capital (bis vor kurzem "Capitalbank", 4. Platz) und Walser Privatbank (5).

Was machten diese Institute besser? Sie zählten zu den wenigen, die die Krisenängste der Kunden nicht ignorierten. "Im Unterschied zu vielen Mitbewerbern sind die führenden Häuser in Österreich auf die Inflationsängste der Kunden eingegangen und sind der Euro-Skepsis der Anleger mit einem überzeugenden Konzept aus Fremdwährungen begegnet", so Ralf Vielhaber, Geschäftsführer der Fuchsbriefe und Initiator des Tests. Beim Sieger Spängler hätten die mündliche Präsentation und die Verteidigung des Anlagekonzepts diesbezüglich keine Schwächen offenbart, heißt es.

Zweckoptimismus statt Krisenkonzept
Bei vielen anderen Marktteilnehmern ist das offenbar nicht der Fall: Obwohl man nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 annehmen könnte, dass in den Schubladen der Vermögensverwalter Rezepte gegen weitere Krisenszenarien liegen, existieren solche Aktionspläne für denkbare Extremereignisse kaum. Das ist aus Sicht der Anleger beunruhigend, schließlich zieht das Pandemiegeschehen gerade wieder an, die Aktienmärkte sind hoch bewertet, und Inflationssignale stehen im Raum, zusätzlich werden ökologische Krisen immer mehr ein Thema. In der Beratung würden solche Ängste meist heruntergespielt. Es herrsche "(Zweck-)Optimismus und lineares Denken, das die Gegenwart fortschreibt", so das Urteil der Tester.

Zudem stecke die Beratung zu nachhaltiger Geldanlage immer noch in den Kinderschuhen. "Am weitesten entwickelt ist sie in der Schweiz und Liechtenstein", heißt es.

Globalance und Bethmann ebenfalls unter den Top-5
Zu den Top 5 zählt außerdem noch die Schweizer Globalance Bank, die ihren zweiten Platz aus dem Vorjahr verteidigte. Globalance zeige, dass "Private Banking ein eigenständiges Erlebnis bieten kann, wenn Fachlichkeit, Ganzheitlichkeit, Service und alle Prozesse auf Top-Leistung getrimmt und außerdem aufeinander abgestimmt sind", so die Tester.

Auf Platz 3 landete die Bethmann Bank aus Deutschland, die sich Jahr für Jahr nach vorn gearbeitet habe. Sie bietet anspruchsvollen Kunden "ein herausragendes Beratungserlebnis". Insgesamt wurden 65 Banken getestet. In diesem Jahr konfrontierte die Prüfinstanz die Banken und Vermögensverwalter mit einem besorgten Kunden (steigende Staatsverschuldung, Konjunktur nach Corona, Inflation, Klimakrise, politische Risiken) mit einem Vermögen von 3,5 Millionen Euro aus einer Erbschaft, das er sicher anlegen will. Es nahmen Häuser aus Deutschland, der Schweiz, Liechtenstein und Österreich teil.

"Die führenden Häuser im Test ließen sich auf eine detaillierte Krisendiskussion ein, selbst wenn sie die Ansichten des Kunden nicht teilen; in diesen wenigen Fällen warteten die Berater mit einem breiten Register an Kenntnissen, Erfahrungen und Argumenten auf. Leider fand das oftmals nicht Eingang in die schriftlichen Anlagekonzepte", so das Fazit.

Kritik an deutschen Banken
Insgesamt gibt es einige Kritik der Prüfer an den deutschen Banken: "Wenig Empfehlenswertes, viele Standardlösungen bei den Universalbanken, nur eine Handvoll Privatbanken ragen aus dem Allerlei hervor", so Jörg Richter von Fuchs Richter Prüfinstanz. Die Kunden bei den Großbanken stünden noch immer nicht im Mittelpunkt der Überlegungen. Vielmehr setze sich der Trend zu Produktstandardisierungen weiter fort – getrieben durch Regulierungsvorgaben und Kostendruck.

Ausgewählte deutsche Häuser wie die BW-Bank (Platz 7), Hauck & Aufhäuser Privatbankiers, Donner & Reuschel (9 und 10) schaffen gute Leistungen, während die großen deutschen Adressen in der Rangliste nur noch weit unten aufscheinen. Die Commerzbank Vermögensverwaltung landet auf Platz 29 und die Deutsche Bank Private Wealth Management liegt weit abgeschlagen auf Platz 57.

Den Schweizer Eidgenossen attestierten die Tester zwar gute Beratungsgespräche. Bei den konkreten Anlagevorschlägen würden sich die Häuser aber häufig in "Banker-Kauderwelsch" verlieren. Die Kundschaft würde "zu oft mit Standardvorschlägen abgespeist" und ein Beratungsprotokoll nach dem Erstgespräch vermissten die Tester hier ebenfalls. Auch in der Schweiz können die Großbanken nicht mit den kleinen, feinen Anbietern mithalten: Credit Suisse und UBS grüßen weit hinten von Platz 32 und 33.

Kleine und mittlere Privatbanken langfristig spitze
Dementsprechend nehmen auch in der "Ewigen Bestenliste" kleinere, unabhängige Privatbanken die Spitzenplätze ein. "Sie gehen individuell auf Kundenwünsche ein und haben die richtige Größe, um ein durchgehend hohes Beratungsniveau anbieten zu können, wenn die internen Prozesse richtig aufgestellt sind und die Kultur stimmt", so die Analyse der Tester.

Auf Platz 1 liegt auch hier das Bankhaus Carl Spängler aus Österreich, gefolgt von der liechtensteinischen LGT Bank und der Walser Privatbank (in Kürze: Alpen Privatbank) aus Österreich. Erst auf Platz 8 findet sich mit der Weberbank aus Berlin der beste deutsche Anbieter. (eml)