Durch Cum-Ex-Aktiendeals sind dem deutschen Staat Steuergelder in Milliardenhöhe entgangen. Nun sitzt erstmals ein Beschuldigter wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung" (SZ) und WDR handelt es sich dabei um den prominenten Steuerjuristen Ulf Johannemann, der bis vor wenigen Wochen noch ranghöchster Steuerrechtsanwalt bei der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer war. Ihm wird Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworden.

Johannemann soll gemeinsam mit einem noch aktiven Partner der Großkanzlei die insolvente Frankfurter Maple Bank beraten haben. Derzeit ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gegen das Geldinstitut wegen mutmaßlich krimineller Aktiendeals. Im Sommer hatte Johannemann den Ermittlern gegenüber in einer mehrtägigen Vernehmung bestritten, in die illegalen Geschäfte involviert gewesen zu sein. Er habe nicht gewusst, dass seine Mandanten sich anders verhalten hätten, als von ihm begutachtet, sagte er den Behörden.

Ermittlungen stehen kurz vor dem Abschluss
Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft sieht das anders. Johannemann soll sich mitschuldig gemacht haben, indem er für die Bank Gutachten erstellt habe, die solche Geschäfte für zulässig erklärten. Auch soll der Jurist im Nachhinein versucht haben, die Finanzbehörden zu täuschen. Der SZ zufolge stehen die Ermittlungen kurz vor dem Abschluss. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft bestätigte gegenüber der Zeitung die Festnahme eines Anwalts im Zusammenhang mit den Cum-Ex-Deals. Namen von Beschuldigten oder involvierten Unternehmen nannte die Behörde nicht. (fp)