Der österreichische Kreditmakler Creditnet, der unlängst mit der Einbindung von Tippgebern begonnen hat, sieht durch das Modell hohe Wachstumschancen. Prokurist Alexander Meixner erwartet, dass das vermittelte Kreditvolumen von gut 100 Millionen Euro im Jahr 2019 heuer um die Hälfte auf 150 Millionen Euro zulegt. "Vielleicht geht sich sogar eine Verdoppelung aus", so Meixner im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Das Tippgebermodell sei im Herbst 2019 in den Probebetrieb gegangen, rund um den Jahreswechsel voll gestartet und führe zu einer sehr positiven Entwicklung. So liege die Konvertierungsrate (Verhältnis von Anfragen zu Abschlüssen) bei den Tippgebern um ein Vielfaches über den nur fünf bis sechs Prozent, die bei einer konventionellen Online-Anfrage überbleiben. Bisher arbeite man mit rund 150 Tippgeber-Partnern zusammen, 2021 wird eine Anzahl von um die 250 erwartet. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Finanzdienstleister, Versicherungsmakler und Versicherungsagenten, die selbst keine Kreditvermittlung machen und durch die Kooperation Kreditprovisionen vereinnahmen können – beziehungsweise liegt der Vorteil für sie auch in der Erweiterung ihres Servicespektrums.

Netzwerkausbau an Geschäftspartnern später angedacht
Derzeit konzentriere man sich auf den Ausbau des Tippgebermodells, später sei auch die Erweiterung des Netzes an professionellen Kreditvermittler-Partnern angedacht, die unter dem Namen Creditnet auftreten, so Meixner. Das Segment der Kreditbroker ist generell wachstumsstark. Richtschnur ist dabei die Nummer eins am Markt, Infina, die im Vorjahr beim vermittelten Volumen knapp an der Milliardengrenze vorbeigeschrammt ist.

Großes Thema für die Creditnet-Berater seien derzeit aufgrund der weiter rückläufigen Zinslandschaft die Umschuldungen. Im Durchschnitt würden aktuell monatlich um die 20 bis 25 Kunden umgeschuldet, deren Ersparnis zwischen 15.000 und 25.000 Euro über die restliche Laufzeit liegt. Nicht in allen Fällen bringt das freilich Provisionen für die Kreditvermittler – nämlich dann, wenn bei der eigenen Bank umgeschuldet wird. "Mittlerweile haben auch die Banken erkannt, dass das ein Geschäftsfeld ist. Bank Austria und Raiffeisen haben eigene Abteilungen eingerichtet, die den Markt analysieren und Angebote erstellen, die es dem Kunden nur schwer möglich machen, zu wechseln. Da verdienen wir fast nichts und verrechnen gegebenenfalls eine Bearbeitungsgebühr", so Meixner.

"Kundenanfragen sind ungebrochen"
Auch abseits der Umschuldungen floriere momentan das Geschäft, und die Krise hat daran nichts geändert. "Corona hat uns in die Karten gespielt, weil die Leute Zeit haben. Die Zinsen sind noch mal nach unten gegangen. Außerdem haben die Kunden in der Krise gemerkt, dass man bei der Bank nicht immer jemanden erreicht und wenn, dann oft nicht den richtigen Ansprechpartner, der sich bei dem Thema auskennt. Bei uns ist man meist schneller und kompetenter beraten", sagt Meixner. Die Kundenanfragen seien bis jetzt ungebrochen. Auch auf der Bankseite gebe es trotz der Corona-Krise bis auf wenige Ausnahmen eine hohe Finanzierungsbereitschaft und eine "sehr gute Vergabepolitik". (eml)