Die Credit Suisse (CS) will Smartphone-Banken wie N26 und anderen Instituten den Schweizer Heimatmarkt nicht wiederstandslos überlassen. Ende Oktober wird die Großbank daher eine Digitalbank namens "CSX" starten, an der sie seit rund einem Jahr feilt. Deren App kombiniert zum Vermarktungsstart ein kostenloses Girokonto mit einer onlinefähigen Debit-Mastercard. "Wir waren der Meinung, dass wir insbesondere jungen Kunden zu wenig zu bieten haben", zitiert das "Handelsblatt" Andre Helfenstein, Chef des Schweizer Geschäfts bei CS. Mit CSX wolle Helfenstein aber nicht zuletzt klassischen und neuen Wettbewerbern die jungen Kunden abjagen. 

Mehrere Smartphone-Banken haben mit ihren übersichtlich gestalteten Apps binnen weniger Jahre Millionen Kunden gewonnen, auch wenn sie wegen schlechten Services und technischen Problemen, etwa lückenhaften Sicherheitsvorkehrungen, immer wieder in der Kritik stehen. In der Schweiz sind lokale Anbieter wie Zak, Neon und Yapeal schon seit längerem aktiv. N26, eine der größten deutschen "Neobanken", ist dagegen erst im September 2019 in das Rennen um die Gunst der jungen Schweizer Kunden eingestiegen. Der Zuspruch seitens internetaffiner Verbraucher ist zwar groß. Allerdings lägen die Ausgaben pro Neukunde vielfach noch deutlich über den Einnahmen, geben Branchenkenner zu bedenken. "Die Smartphone-Banken haben bereits Hunderttausende Schweizer Kunden gewonnen, verbrennen dabei aber teilweise viel Geld", fasst die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) die Gefechtslage zusammen.

Ebenfalls im Visier: UBS & Co.
Die Credit Suisse möchte mit der CSX-Plattform aber nicht nur diversen Banken-Fintechs Konkurrenz machen. Die Kampfansage des Kreditinstituts richtet sich laut NZZ auch an die etablierten Player. Die härtesten Wettbewerber der CS bleiben nämlich vorerst die UBS, die Kantonal- und die Schweizer Raiffeisenbanken. Sie alle gewannen in den vergangenen Jahren viele Neukunden und tüfteln ebenfalls an ihren Apps sowie neuen Filialkonzepten.

Neben dem Gratis-Girokonto und der Kreditkarte will die CS laut in den kommenden Monaten schrittweise auch Angeboten im Anlage-, Vorsorge- und Immobilienkredit-Bereich einführen. Zudem biete die Smartphone-Bank die alternative Möglichkeit, einen Berater persönlich treffen zu können. Helfenstein deutet gegenüber der Zeitung an, dass seine Bank mit dem neuen Angebot erst über die Zeit Geld verdienen werde. So dürften jüngere Kunden erst mit zunehmendem Alter Zusatzdienstleistungen wie Hypotheken in Anspruch nehmen. Unternehmensberater dämpfen allzu hohe Erwartungen und bezweifel, dass Kunden CSX die Türe einrennen werden. Die Zahl der Kunden würde sich erst über die Zeit aufbauen, wenn sich die Zuverlässigkeit der App und das attraktive Preismodell herumsprächen. (jb)