Diese Niederlage hat es in sich: Das Genfer Arbeitsgericht hat die Schweizer Großbank Credit Suisse zur Zahlung von vier Millionen Franken (3,5 Mio. Euro) an einen ihrer Ex-Berater verurteilt. Das berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) in ihrer Freitagsausgabe. Der frühere Mitarbeiter hatte im Jahr 2015 Klage wegen entgangener Löhne, Erfolgsprämien und Vorsorgezahlungen eingereicht und die Bank der "missbräuchlichen Kündigung und Verletzung der Fürsorgepflicht" beschuldigt. Die Credit Suisse hatte ihn 2014 entlassen, weil er US-Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen haben soll.

Im Jahr 2014 räumte der damalige Vorstandschef der Credit Suisse, Brady Dougan, vor dem US-Senat ein, dass die Bank bei der Kundenbetreuung US-Gesetze gebrochen habe. Jedoch sei es nur eine kleine Gruppe von Kundenberatern gewesen, die diese Regeln übertreten habe. Die Credit Suisse habe das Problem früh erkannt, sagte Dougan damals laut der NZZ. Die Entlassung eben jener Mitarbeiter – unter ihnen der Kläger – war Teil eines außergerichtlichen Vergleichs, den die Bank, wie viele andere beschuldigte Geldhäuser, mit den USA ausgehandelt hatte. 

Chefs sollen Mitarbeiter systematisch angestachelt haben
Das aktuelle Urteil des Arbeitsgerichts wirft nun ein anderes Licht auf den Fall. Nach Anhörung von 38 Zeugen und dem Studium unzähliger Akten kamen die Richter zu dem Schluss, dass die Kundenberater von ihren Vorgesetzten geradezu "aufgehetzt" worden seien, jenseits der bankeigenen Vorschriften zu agieren. Die Genfer Richter zeigten sich laut NZZ "felsenfest überzeugt" davon, dass die Bankführung über die Handlungen der Kundenberater des Nordamerika-Teams "auf dem Laufenden war". Die Credit Suisse wies die Vorwürfe zurück. Sie will das Urteil in nächster Instanz anfechten. (fp)