Einige Bereiche der Wirtschaft dürften sich rasch wieder von Corona erholen. Das Retailbanking gehört aktuellen Untersuchungen zufolge eher nicht dazu. Die Erträge im Privatkundengeschäft stehen ohnehin unter Druck. Die Pandemie dürfte die Lage weiter verschärfen, zeigt eine Studie der Boston Consulting Group (BCG), über die das "Handelsblatt" berichtet. Demnach wird es mindestens drei Jahre dauern, ehe die Banken im Retail-Geschäft wieder das Ertragsniveau von vor der Krise erreicht haben. Es könnte aber auch deutlich länger dauern.

Im besten Fall wachsen die Erträge im Retailbanking bis zum Jahr 2024 um 0,4 Prozent pro Jahr, prognostizieren die BCG-Berater. Im ungünstigsten Fall gehen sie dagegen jährlich um 2,7 Prozent zurück. Welches Szenario eintritt, hängt davon ab, wie schnell sich die Wirtschaft insgesamt von der Covid-19-Pandemie erholt. Die Unternehmensberatung Zeb zeichnet ein ähnlich düsteres Bild: Ihren Berechnungen zufolge sind die Erträge im deutschen Privatkundengeschäft im vergangenen Jahr um fünf Prozent gefallen, Kreditinstitute haben drei Milliarden Euro Verlust gemacht. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen dürfte sich das Minus in den kommenden fünf Jahren auf fünf bis sieben Milliarden Euro ausweiten.

Abstieg der Filialen beschleunigt sich
Der Weg zurück zur Profitabilität wird nicht leicht, denn das Kundenverhalten hat sich durch die Pandemie wohl nachhaltig verändert. Seit dem Lockdown im Frühjahr 2020 haben sich 14 Prozent aller Bankkunden in Deutschland neu für das Onlinebanking angemeldet, schreibt das "Handelsblatt". Mehr als ein Viertel der von der BCG befragten Verbraucher gaben an, seltener in eine Bankfiliale gehen zu wollen. "Die Banken geraten von zwei Seiten unter Druck, zum einen durch den Corona-bedingten Rückgang der Einnahmen, zum anderen durch das veränderte Kundenverhalten", sagt Thorsten Brackert, einer der Autoren der BCG-Studie. Er ist sich sicher: "Die Verlagerung auf digitale Kanäle lässt sich nicht zurückdrehen." (fp)