Die ehemalige Vorständin der Commerzialbank Mattersburg, Franziska Klikovits, hat den Ermittlern umfangreiches Beweismaterial geliefert und ausführlich dargelegt, wie sie über Jahrzehnte gemeinsam mit Bankchef Martin Pucher die Bilanzen des Instituts fälschte. Das berichtet orf.at aus dem Vernehmungsprotokoll. "Ich habe die Manipulationen in den Systemen vorgenommen, und bei papierhaften Ausfertigungen wirkte Herr Pucher mit. Ein weiterer Mitarbeiter der Bank oder der dritte Vorstand waren dabei nicht involviert", wird Klikovits, die seit 1997 im Vorstand der Bank war, aus den Unterlagen zitiert.

Demnach sind rund 670 Millionen Euro der Commerzialbank-Bilanz frei erfunden. Auch das geplante Großbauprojekt der Bank im Mattersburger Stadtzentrum ist ein Luftschloss, heißt es in dem Bericht.

Fingierte Kreditkonten eröffnet
Die Ex-Vorständin versprach volle Aufklärung und lieferte Details zum Vorgang der Manipulation: Teils wurden bei bestehenden Kunden neue, erfundene Kreditkonten eröffnet, teilweise wurden infrage kommende Personen in der Grundbuchdatenbank und im Firmenbuch gesucht, und Pucher traf dann die Auswahl. "Diese Personen hatten gar keine reale Geschäftsbeziehung zur Commerzialbank Mattersburg", wird die Vorständin zitiert. Von den 350 Millionen Euro an offiziell ausgewiesen Krediten waren 180 Millionen Euro fingiert.

Wie aus den Protokollen hervorgeht, hat Klikovits den Ermittlern USB-Sticks und eine Festplatte mit umfangreichen Datenmaterial übergeben, die ihren eigenen Aussagen zufolge eine vollständige Aufklärung ermöglichen sollen. Der Wirtschaftsprüfer der Kanzlei TPA hätte ebensowenig Unregelmäßigkeiten festgestellt, wie der Aufsichtsrat.

Blümels Aufsichtsgruppe beginnt mit Aufarbeitung des Aufsichts-Desasters
In die Gänge kommt unterdessen die Aufarbeitung des Skandals auf Aufsichtsebene. Am Montag tagte erstmals die von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) angekündigte Arbeitsgruppe, die sich Vorschläge überlegen soll, wie solche Skandale künftig zu verhindern sind. Leiter der Arbeitsgruppe ist Alfred Lejsek, Leiter Finanzmärkte im Ministerium (BMF). Dem Kreis gehören Vertreter von BMF, Nationalbank und Finanzmarktaufsicht an. Als externer Berater wird Banken-Experte Stefan Pichler von der Wirtschaftsuniversität Wien hinzugezogen. Warum diese Besetzung für Verbesserungen bei der Aufsicht nicht ausreicht, hat FONDS professionell ONLINE in einem Kommentar analysiert. (eml)