Die Anwaltskanzlei Kosch & Partner, Masseverwalterin der Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG, hat beim Handelsgericht Wien Schadenersatzklage gegen den Abschlussprüfer TPA eingereicht. Das teilt die Kanzlei in einer Aussendung mit.

Die TPA Wirtschaftsprüfung GmbH hat die Commerzialbank seit dem Jahr 2006 geprüft. Heuer brach das Institut zusammen. Vorstand Martin Pucher und seine Vorstandskollegin haben über rund drei Jahrzehnte Luftbuchungen im Ausmaß von Hunderten Millionen Euro vorgenommen, um eine gesunde Bilanz vorzutäuschen. Sie haben ein Geständnis abgelegt und kooperieren mit den Ermittlungsbehörden. TPA hat nach bisherigen Erkenntnissen die vorgegaukelten Assets bei anderen Banken nicht direkt bei den Instituten überprüft. TPA sagte in früheren Stellungnahmen, man sei dahingehend vom Bankvorstand ebenfalls getäuscht worden.

"Klar und offensichtlich", dass Sorgfalt mangelhaft war
Michael Lentsch, Masseverwalter und Partner der Anwaltskanzlei Kosch & Partner, sagt nun hingegen: "Es ist anhand der Aktenlage schon jetzt völlig klar und offensichtlich, dass TPA die Prüfungen nicht mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt hat. TPA hat damit einen Beitrag dazu geleistet, dass der Schaden, der nach derzeitigem Stand bei 600 bis 700 Millionen Euro liegt, diese Höhe erreichen konnte". TPA erklärte gegenüber FONDS professionell ONLINE, man prüfe die Klage gerade inhaltlich, werde aber zum laufenden Verfahren keine Angaben machen.

Die Klagesumme beträgt 20 Millionen Euro. Sie ist durch die Haftungshöchstgrenze laut Bankwesengesetz beschränkt. Dieses begrenzt die Haftung des Abschlussprüfers auf vier Millionen Euro pro Jahr und auf maximal fünf Jahre. Laut dem Masseverwalter sollen außerdem zwei Großkunden der Bank direkt Klagen gegen die TPA eingebracht haben. In diesem Fall genießen laut OGH-Judikatur Schadenersatzansprüche die Masse der Commerzialbank Mattersburg Vorrang gegenüber allen anderen Gläubigern, so Lentsch. (eml)