In der Causa Commerzialbank Mattersburg bestätigte der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Montagabend (3. August), dass das Regionalmanagement Burgenland (RMB) versucht hat, wenige Stunden vor der Sperre der Bank durch die Finanzmarktaufsicht einen Millionenbetrag abzuheben. Zustande gekommen sei der Transfer schlussendlich jedoch nicht mehr.

Damit relativiert der Landeshauptmann seine entrüstete Stellungnahme von Montagnachmittag, in der er einen Bericht des "Kurier" über eine Abhebung von 1,2 Millionen Euro als Lüge bezeichnete. Abends äußerte sich Doskozil in einem "Burgenland heute"-Interview abmildernd – etwa zur Frage, ob bereits der Versuch der Abhebung verwerflich gewesen sei: Es hätten bereits am Nachmittag in der Region Viele von möglichen Problemen gewusst. Doskozil verwies dabei auf die Verantwortung des RMB-Geschäftsführers, das Vermögen zu sichern. Es habe aber keinen frühzeitigen Hinweis aus der SPÖ an das RMB zu den Malversationen in der Bank gegeben, so Doskozil. Die Frage nach frühzeitigen Mitwissern war von der politischen Konkurrenz aufgeworfen worden.

Rätsel um Höhe der RMB-Einlagen
Auch, dass das RMB 2,5 Millionen Euro bei der Commerzialbank liegen hatte, wie im "Kurier" berichtet, sei falsch, so Doskozil, der knapp 1,4 Millionen Euro angibt. Allerdings berichtet der "Standard", dass die Einsicht der Ermittler in Buchungsunterlagen des Instituts tatsächlich einen Betrag von 2,5 Millionen ergibt. Möglich sei daher, dass auch hier gefälschte Buchungen der Bank im Spiel seien, schreibt die Zeitung.

Luftbuchungen durch Bankchef Martin Pucher beziehungsweise seine Kollegin K. waren der Grund für den Zusammenbruch der Bank. Für beide gilt die Unschuldsvermutung. Das Ausmaß des Schadens wird indes im Laufe der Ermittlungen immer größer. Laut einem Bericht der "Presse" sind inzwischen 690 Millionen Euro an fiktiven Krediten und erfundenen Guthaben aufgetaucht, während zuletzt 600 Millionen angenommen wurden. Die offizielle Bilanzsumme des Instituts betrug zuletzt rund 800 Millionen Euro.

Ungereimtheiten seit den 1990ern
Laut "Standard" sind 500 Fake-Konten aufgetaucht. Mehr als 150 Millionen Euro an Privatkundenkrediten dürften erfunden worden sein, die insbesondere an Ärzte "vergeben" wurden. So sollen etwa bei der Auszahlung durch die Einlagensicherung laut "Wiener Zeitung" 30 bis 40 Kunden erfahren haben, dass ihnen fingierte Kredite zugerechnet werden.

Der "Standard" berichtet aus Aussagen aus einem früheren Strafverfahren, wonach es Ungereimtheiten bei der Mattersburger Bank schon in den 1990er Jahren gegeben hatte. Ex- Chef Martin Pucher habe noch in seiner Raiffeisen-Ära mit dem Frisieren von Bilanzen begonnen. Pucher war damals Chef der Raiffeisenbank Zemendorf. Pucher habe nicht, wie bisher öffentlich wahrgenommen, die Bank aus dem Raiffeisenverband "herausgelöst" und in Commerzialbank Mattersburg umbenannt. Der ehemalige Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Burgenland Julius Marhold erklärte vielmehr: "Nein, das war keine Abspaltung, das war ein Ausschluss, weil unsere Revision festgestellt hat, dass diese Form der Geschäfte nicht zu Raiffeisen passen", so Marold zu der Zeitung. Es sei auch um Spekulationsgeschäfte gegangen. (eml)