Commerzbank-Übernahme: Das sind die roten Linien in Berlin
Berlin stellt Bedingungen für einen Zusammenschluss von Commerzbank und Unicredit. Im Fokus stehen der Frankfurter Firmensitz, das Mittelstandsgeschäft und die mehr als 40.000 Beschäftigten.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Unicredit-Chef Andrea Orcel haben am Montag (14.9.) nach Angaben beider Seiten konstruktive Gespräche geführt. Zuvor hatte das Finanzministerium dargelegt, welche Forderungen es mit Blick auf die angestrebte Übernahme der Commerzbank durch das italienische Geldhaus stellt.
"Ich habe in einem konstruktiven Gespräch mit Herrn Orcel deutlich gemacht: Die weiteren Verhandlungen müssen verantwortungsbewusst geführt werden", so Klingbeil nach dem Treffen in einer per E-Mail versandten Erklärung. "Für die Bundesregierung ist zentral, dass die Commerzbank weiterhin ihre wichtige Rolle für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands erfüllen kann."
Bund fordert Erhalt des Mittelstandsgeschäfts
"Wir haben die Interessen der über 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Commerzbank im Blick und stehen in dieser unsicheren Zeit an ihrer Seite", sagte Klingbeil weiter. "Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt – sowohl in Deutschland als auch international."
Mit dem Gespräch hat die Bundesregierung, die rund 13 Prozent an der Commerzbank hält, erstmals die Bedingungen konkretisiert, die Orcel für eine Übernahme des zweitgrößten börsennotierten Kreditinstituts Deutschlands erfüllen soll. Der Italiener verfolgt den Deal seit zwei Jahren öffentlich. Zuvor gab es heftigen Widerstand sowohl vonseiten der Commerzbank als auch aus der Politik.
Beide Seiten wollen weiterverhandeln
Die Verhandlungen nahmen Fahrt auf, nachdem sich die Unicredit im Rahmen eines formellen Angebots im Sommer knapp die Hälfte der Commerzbank-Aktien gesichert hatte. Es sei ein "gutes und konstruktives" Treffen gewesen, bei dem beide Seiten ihre Prioritäten dargelegt und sich zur Fortsetzung der Gespräche verpflichtet hätten, so Orcel in einer Erklärung gegenüber "Bloomberg". "Nun müssen beide Seiten über dieses erste Gespräch nachdenken, damit im besten Interesse aller Stakeholder und Aktionäre ein Weg nach vorn gefunden werden kann."
Die Bundesregierung hatte zuvor ein Übernahmeangebot der Unicredit, das im Juli endete, als zu niedrig abgelehnt. Die italienische Bank hatte 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie geboten. Das Angebot enthielt faktisch keine Prämie. Eine vollständige Übernahme wäre angesichts eines Börsenwerts der Commerzbank von rund 46 Milliarden Euro die größte Bankenübernahme seit fast zwei Jahrzehnten.
"Die beiden Banken befinden sich jetzt in einer anderen Phase, da sie über eine Transaktion verhandeln", sagte Finanzministeriumssprecher Maximilian Kall am Montag (14.9.). "Da geht es gerade nicht mehr um eine feindliche Übernahme, sondern darum, den besten Weg für beide Banken zu finden."
Berlin will Einfluss behalten
Angesichts des großen Umfangs des Deutschlandgeschäfts einer fusionierten Bank halte Berlin auch eine entsprechende Vertretung der Commerzbank innerhalb des Unicredit-Konzerns für notwendig, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen, die darum baten, nicht öffentlich genannt zu werden. Die Bundesregierung selbst will ihre beiden Sitze im Commerzbank-Aufsichtsrat behalten, solange sie beteiligt ist. Aktuell sei sie noch nicht bereit, über einen Verkauf ihres 13-Prozent-Anteils an die Unicredit zu verhandeln, sagten die Informanten.
Orcel hat einen strategischen Plan für die Commerzbank vorgelegt, der eine Verkleinerung ihrer weltweiten Präsenz vorsieht. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt diese Idee entschieden ab. Beide Manager führten im vergangenen Monat erstmals offizielle Gespräche darüber, wie die Übernahme gehandhabt werden soll, wie "Bloomberg News" berichtete.
Unterschiedliche Strategien erschweren Einigung
Die Gespräche sollen in den kommenden Wochen und Monaten fortgesetzt werden. Das Treffen zeigte jedoch, dass eine Einigung nicht leicht werden wird: Manager der Unicredit hätten betont, an ihren bisherigen Strategien festzuhalten, während Vertreter der Commerzbank ihren eigenen Ansatz verteidigten, wie vertraute Personen berichteten.
Die Unicredit hat erklärt, dass die Bank vorbehaltlich der regulatorischen Genehmigungen bereits im vierten Quartal das vollständige Eigentum an ihrer Beteiligung übernehmen und damit die Kontrolle über die Commerzbank erlangen dürfte. Die Unicredit hat auch die Möglichkeit ins Spiel gebracht, bei Bedarf das Spitzenpersonal auszutauschen. Da bei Hauptversammlungen üblicherweise nicht alle Aktionäre abstimmen, dürfte eine Beteiligung von knapp 50 Prozent ausreichen, um über strategische Fragen und Managemententscheidungen zu bestimmen.
"Die Bundesregierung wird weiterhin im Sinne des deutschen Mittelstands, des Finanzstandorts Frankfurt und der Beschäftigten handeln", sagte Klingbeil in seiner Erklärung vom Montag (14.9.). (mb/Bloomberg)












