Commerzbank-Poker: Diese Bedingungen stellt Hessen an die Unicredit
Börsennotierung, deutsche Banklizenz und wichtige Funktionen in Frankfurt: Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat im Gespräch mit Unicredit-Chef Andrea Orcel Forderungen zur Zukunft der Commerzbank formuliert.
Die Unicredit hat mitgeteilt, dass Vorstandschef Andrea Orcel mit einem deutschen Regierungsvertreter über die Commerzbank gesprochen hat. Die italienische Großbank rückt damit einer Übernahme der Kontrolle über ihre Konkurrentin näher.
Orcel traf sich am Donnerstag (3.9.) mit dem hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein (CDU), wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete. Rhein habe mehrere Forderungen vorgebracht. Dazu zählten, dass die Commerzbank mit einem Streubesitz von mindestens 25 Prozent börsennotiert bleibt, ihre Banklizenz in Deutschland behält und wichtige Funktionen weiterhin in Frankfurt angesiedelt sind. Die hessische Stadt ist der Sitz der Commerzbank und Deutschlands wichtigstes Finanzzentrum.
"Wir haben sehr deutlich gemacht, dass wir direkt mit der Regierung sprechen wollten, und wissen den Austausch zu schätzen", sagte ein Unicredit-Sprecher. "Die Gespräche darüber, wie wir im Interesse all unserer Stakeholder und Deutschlands in die richtige Richtung vorankommen können, waren konstruktiv." Ein Sprecher Rheins war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Gespräch mit Klingbeil steht bevor
Das Treffen findet gut eine Woche vor Orcels erstem geplanten Gespräch mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) statt. Die Bundesregierung hatte die Unicredit zuvor für die Art ihres Vorgehens bei der Commerzbank kritisiert und sich lange geweigert, direkt mit Orcel zu sprechen. Nach einem Übernahmeangebot in diesem Sommer änderte Berlin jedoch seinen Ton. Dadurch erhielt die italienische Bank genügend Aktien, um die Commerzbank faktisch kontrollieren zu können.
Orcel verfolgt seine Pläne für die Commerzbank seit zwei Jahren. Der gestiegene Aktienkurs des Instituts und der Widerstand Berlins verzögerten den Prozess. Ein formelles Übernahmeangebot mit praktisch keiner Prämie sicherte der Unicredit in diesem Jahr genügend Aktien, um den Anteil auf annähernd 50 Prozent zu erhöhen.
Berlin hält rund 13 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank und ist damit nach der Unicredit der zweitgrößte Aktionär. Für die Bundesregierung sind insbesondere die Rolle des Instituts bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands sowie der Erhalt Frankfurts als Finanzzentrum von Bedeutung.
Aktienrückkauf erhöht Unicredit-Anteil
Die Commerzbank startet unterdessen einen bereits angekündigten Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Dieser wird den Anteil der Unicredit weiter erhöhen, sobald die zurückgekauften Aktien eingezogen werden. Das Institut hatte den Rückkauf im August angekündigt. Er ist Teil des Versprechens von Vorstandschefin Bettina Orlopp, mehr Kapital an die Aktionäre auszuschütten. "Unsere Aktionäre können sich darauf verlassen, dass wir unsere Zusagen einhalten", erklärte Orlopp.
Orlopp hatte Anfang dieser Woche signalisiert, dass sie wahrscheinlich nicht im Amt bleiben wird, sollte sie sich nach der Wahl von Unicredit-Vertretern in den Aufsichtsrat mit dem Kontrollgremium nicht auf eine Strategie einigen können. Orcel hatte zuvor angedeutet, dass er den Aufsichtsrat nach der Übernahme der Kontrolle neu aufstellen könnte. (mb/Bloomberg)















