Nach dem Doppelrücktritt von Vorstandschef und Aufsichtsrat steht die Commerzbank mit dem Rücken zur Wand – und mit ihr die Investoren. Zu den Größten zählen der Bund sowie der US-Fonds Cerberus. Für letzteren sich dürfte der Einstieg in die Bank im Nachhinein als Riesenfehler entpuppt haben, glaubt Volker Bühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies. "Cerberus hat sich mit seinen Beteiligungen an Commerzbank und der Deutschen Bank kräftig verspekuliert. Buchverluste in dreistelliger Millionenhöhe sind inzwischen aufgelaufen", schreibt Bühl einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Auch der Bund wird seinen Einstiegskurs von rund 25 Euro wohl niemals wieder auch nur annähernd erzielen.

Die Ziele von Höllenhund und Bundesregierung laufen trotzdem diametral, erklärt der Experte. Während der Fonds mit allen Mitteln nach einem möglichst glimpflichen Exit sucht, besteht die Rolle des Bundes nur darin, die Commerzbank zu erhalten und in eine gute Zukunft zu führen. Schließlich hätte diese eine "enorme volkswirtschaftliche Bedeutung für die Mittelstandsfinanzierung in Deutschland", heißt es in dem Gastbeitrag.

Fragwürdiges Verständnis von Corporate Governance
Ein nach Rendite sinnender Investor wie Cerberus habe diese Langfristperspektive nicht. Der Einstieg des US-Fonds sei in der Privat-Equity-Szene ohnehin auf großes Unverständnis gestoßen. "Private-Equity-Investoren streben in der Regel den Kontrollerwerb bei ihren Beteiligungen an und investieren nur in Ausnahmefällen in börsennotierte Gesellschaften", schreibt Bühl. Mit fünf Prozent könne man aber keine Kontrolle ausüben. Und dennoch verhalte sich Cerberus im Falle der Commerzbank so, als hätten sie mehr als 50 Prozent der Anteile. Bühl nennt das ein "fragwürdiges Verständnis von Corporate Governance." (fp)