Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank sind zu Gesprächen mit der Unicredit bereit, nachdem sich die italienische Bank wohl die Kontrolle über ihren Frankfurter Wettbewerber gesichert hat. Die Gespräche müssten jedoch mit dem bestehenden Management und nicht mit der Bundesregierung geführt werden.

"Jetzt geht es darum, in konstruktiven Gesprächen wichtige Eckpunkte für Mitarbeiter, Aktionäre und die Kunden der Bank festzulegen", erklärte Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann am Freitag (24.7.). "Alle sollten sich jetzt wie Erwachsene verhalten, denn eins ist klar: Diese Gespräche sind auch im Interesse der Unicredit und es wird keine Abkürzung über Berlin geben."

Unicredit-Chef kündigt Überraschung an
Unicredit-Chef Andrea Orcel wiederum verbreitete in einem Interview mit der Zeitung "Corriere della Sera" vom Sonntag (26.7.) Zuversicht, dass die Gespräche zur Übernahme der Commerzbank erfolgreich abgeschlossen werden könnten. "Wir werden der Regierung entgegenkommen können", so Orcel. "Alle Zugeständnisse, zu denen wir bereit waren, stehen nach wie vor."

Von den sozialen Folgen der Übernahme über die Mittelstandsfinanzierung bis hin zur Finanzierung des Wandels der deutschen Wirtschaft – "wir werden eine Einigung finden, und es wird eine Überraschung geben, wie weitreichend diese Übereinstimmungen sein werden", so der Unicredit-Chef. Er wies zudem den Vorwurf zurück, der Übernahmevorstoß würde die Commerzbank schwächen. Orcel sagte, sein Haus "hätte keine 22 Milliarden Euro ausgegeben, um ein Geschäftsmodell zu ruinieren".

Offenbar Videokonferenz der Vorstandschefs geplant
Beide Banken dürften erstmals Anfang August wieder miteinander sprechen. Kurz nach der Vorlage der Commerzbank-Geschäftszahlen am 6. August sei eine Videokonferenz der Vorstandschefs zu erwarten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber "Bloomberg". Ein Durchbruch bei dem Gespräch gelte zwar als unwahrscheinlich, es könnte nach Angaben einiger Personen jedoch den Weg für grundlegende Verhandlungen ebnen.

Der Unicredit-Chef hatte am Donnerstag (23.7.) erklärt, seine Bank sei bereit, mit der Bundesregierung und dem Betriebsrat über die Commerzbank zu sprechen. Das Management der Konkurrentin erwähnte er nicht. Die beiden Banken liefern sich seit fast zwei Jahren einen Schlagabtausch und werfen sich gegenseitig irreführende Aussagen vor. Der Bund, der weiter rund zwölf Prozent an der Commerzbank hält, hat das Vorgehen der Unicredit als zu aggressiv kritisiert.

Bundesregierung und Betriebsrat verweisen aufs Management
Sowohl die Bundesregierung als auch ein führender Arbeitnehmervertreter erklärten, die Gespräche sollten zwischen den Führungsspitzen der beiden Banken stattfinden. Es sei nun an den beiden Banken, miteinander zu sprechen, so ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Donnerstag (23.7.). Der Commerzbank-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Sascha Uebel sagte, für die Führung der Bank sei das Management verantwortlich und nicht die Arbeitnehmervertretung.

Nach Angaben Orcels gab es bislang keine Kontakte mit der Bundesregierung über die Terminierung möglicher Gespräche. Da die Unicredit kurz davorsteht, fast die Hälfte der Commerzbank-Aktien zu kontrollieren, hat die Bundesregierung ihren Ton zuletzt jedoch gemäßigt. Auch der Commerzbank-Aufsichtsratschef signalisierte eine etwas weniger konfrontative Haltung.

Klare Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten Hauptversammlung
"Auch wenn wir es uns anders gewünscht hätten, die Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten HV sind klar", sagte Weidmann. Er verwies damit auf die Möglichkeit der Unicredit, bei einem Aktionärstreffen Veränderungen durchzusetzen, da erfahrungsgemäß nicht alle Investoren ihre Stimmrechte ausüben.

Orcel hat einen Austausch der Führungsspitze ins Spiel gebracht, um seine Strategie umzusetzen. Dafür müsste er wohl eigene Vertreter im Aufsichtsrat installieren und bestehende Mitglieder ersetzen, einschließlich der beiden Aufsichtsräte, die derzeit die Interessen der Bundesregierung vertreten. (Bloomberg/fp)