"Was für ein Halbjahr!", schreibt Edouard Carmignac, Gründer und Chef des französischen Vermögensverwalters Carmignac, im jüngsten Brief an seine Investoren. Binnen sechs Monaten habe es Kursbewegungen an den Aktien-, Anleihen- und Rohstoffmärkten gegeben, die zu den markantesten der Nachkriegszeit gehörten.

Zu seinen Erwartungen für die kommenden Monate meint Carmignac: "Es steht zu befürchten, dass Putin seine Drohung wahr macht, die Gasversorgung in Europa noch weiter einzuschränken. Damit würde unser Kontinent unvermeidlich in eine Rezession geführt." Die "offenkundig gewordene Verwundbarkeit" werde sich in einer Abwertung europäischer Anlagen zeigen, dies schließe auch den Euro mit ein. "Deutschland ist bereits betroffen, denn es verzeichnet erstmals seit 30 Jahren wieder ein Handelsbilanzdefizit", so der Investmentprofi.

"Schwierige, aber chancenreiche Märkte"
Dagegen erscheine der Ausblick für China erfreulicher. "Das Land ist von der Inflation kaum berührt und profitiert davon, dass Programme zur Stützung der Wirtschaft aus dem Boden sprießen", meint der Chef des Fondsanbieters. Die USA seien von der Energie- und Nahrungsmittelkrise weniger bedroht. Sie müssten mit einer Geldpolitik der Fed umgehen, deren restriktiver Charakter mit dem erwarteten Konjunkturrückgang allerdings abnehmen dürfte. "Diese Entwicklung wird Werten mit klarem Ausblick vermutlich zugutekommen. Seit einem Jahr spielten ihnen die Märkte übel mit. Nun dürfte ihr robustes Wachstum wieder Wertschätzung erfahren", so Carmignac.

"Auf diesen schwierigen, aber chancenreichen Märkten werden wir darauf bedacht sein, im Umgang mit den Risiken unserer Portfolios besondere Sorgfalt walten zu lassen", schreibt Carmignac. So wolle er noch mehr dazu beitragen, dass die Investoren "in dieser angstbesetzten Zeit gelassen bleiben" könnten. (ohm)