Die Fondsgesellschaft Capital Group will in Europa ein Vermögen in Höhe von 50 bis 100 Milliarden Euro verwalten. Dies sagt Europa- und Asienchef Hamish Forsyth im Interview mit FONDS professionell. Die Luxemburger UCITS-Fonds-Palette des US-Hauses umfasst derzeit ein verwaltetes Vermögen von gut 15 Milliarden US-Dollar. "Wir sind der größte aktive Manager der Welt", sagt Forsyth. "Das spiegelt sich in unserer Position in Europa gegenwärtig nicht wider. Das müssen wir zurechtrücken."

Schon seit mehr als 20 Jahren verwalte die Capital Group zwar Geld für Anleger aus dem deutschsprachigen Raum. Aber erst in den vergangenen fünf Jahren habe das Haus systematisch und gezielt auch die Fondsselektoren von Vermögensverwaltern, Privatbanken und anderen Retailvertrieben angesprochen. "In den USA ist das unser Brot-und-Butter-Geschäft. In Europa schlägt unser Haus damit neue Wege ein", erläuterte Forsyth.

Frustrierte Kunden
Auch wenn der europäische Markt heiß umkämpft ist, rechnen sich die Amerikaner dennoch gute Chancen aus. "Wir würden nicht leugnen, dass wir spät dran sind", räumt Forsyth ein. "Unser Haus zeichnet sich durch einige spezifische Vorteile aus – da wären unsere weltweite Präsenz, die Größe, die Stabilität sowie die Tatsache, dass wir organisch gewachsen sind und dass wir ein privates Unternehmen im Besitz unserer Mitarbeiter sind."

Zudem spiele dem Haus eine grundlegende Entwicklung in die Hände: "Die meisten Finanzvertriebe wollen nur noch mit wenigen, dafür umso eingehender analysierten und handverlesenen Produktlieferanten und Partnern zusammenarbeiten", so der Regionenchef. Hintergrund dafür sind verschärfte Regulierung und striktere Wohlverhaltensregeln. Und von einem weiteren Trend erhofft sich das Haus Rückenwind. "Ich höre immer wieder von einer Frustration der Kunden, wenn Asset Manager etwa wegen Übernahmen mehr mit sich selbst beschäftigt sind als mit den Belangen ihrer Klienten."

Weltweiter Masterplan
Die neue Europa-Offensive des US-Riesen ist aber nicht der erste Versuch, auf dem alten Kontinent Fuß zu fassen. "Wir hatten noch vor 2008 eine kleine Gruppe hier angesiedelt, sozusagen eine Vorhut. Dabei handelte es sich aber nur um ein begrenztes Projekt für Deutschland", erinnert sich Forsyth. "Leider kam uns damals die Finanzkrise dazwischen." Heute starte die Gruppe hingegen einen umfassenden weltweiten Masterplan, bei dem Finanzintermediäre und institutionelle Kunden aus Deutschland und Österreich ein fester Bestandteil sind. "Ich möchte betonen: Wir sind hierhergekommen, um zu bleiben – für immer", sagt Forsyth. (ert)


Bereits in den 1960er Jahren hatte die Capital Group fertige Pläne für eine Europa-Expansion parat. Warum diese auf Eis gelegt wurden, wie der Riese heute mit der Konkurrenz durch günstige Indexfolger umgeht und warum die Gesellschaft keinen Starfondsmanager-Kult aufkommen lässt, lesen Sie im vollständigen Interview mit Hamish Forsyth im neuen Heft 4/2019, das Ende November erscheint.