In einigen Jahren wird fast jeder Fonds zumindest gewisse Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Davon ist Naïm Abou-Jaoudé, seit 2007 Vorstandschef des Asset Managers Candriam, überzeugt. "In zehn Jahren werden ESG-Aspekte ein ganz normaler Teil der Unternehmensbewertung sein", sagte er im Interview mit FONDS professionell in Brüssel, das in voller Länge in Ausgabe 4/2018 erschienen ist.

Candriam gehört zu den Vorreitern der nachhaltigen Geldanlage. Das Unternehmen, das aus der früheren Dexia Asset Management hervorging und 2014 von New York Life Investments übernommen wurde, legte 1996 den ersten Nachhaltigkeitsfonds auf. Die Prinzipien der Vereinten Nationen für verantwortliches Investieren (UN-PRI) unterzeichnete das Unternehmen bereits 2006. "Das Thema ist Teil unserer DNA, nicht nur als Fondsmanager", sagt Abou-Jaoudé. "Seit 2006 veröffentlicht unsere Firma jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht. Wir leben, was wir predigen und von anderen Unternehmen verlangen."

"Die Privatanleger holen auf"
Der Wunsch nach nachhaltigen Investments sei mittlerweile mehr als ein Lippenbekenntnis – die Nachfrage seitens der Anleger steige tatsächlich. "Der Markt für ESG-Investments hat in den vergangenen vier Jahren um 25 Prozent per annum zugelegt", betont der Candriam-Chef. Noch sei der Markt von institutionellen Investoren geprägt, sie machten rund 70 Prozent des Volumens aus.

"Aber die Privatanleger holen auf. Insbesondere die Generation der Millennials hat gemerkt, dass es nicht weitergehen kann wie bisher", so Abou-Jaoudé. Der "Earth Overshoot Day" finde jedes Jahr früher statt, zuletzt am 1. August. "Seit diesem Tag verbraucht die Menschheit innerhalb eines Jahres mehr Ressourcen, als es die Erde auf lange Sicht verkraftet. Die Jugend möchte das ändern und reagiert auch bei der Geldanlage darauf."

"Es tut sich was, aber womöglich nicht schnell genug"
Im Interview begrüßt Abou-Jaoudé den Vorstoß der EU-Kommission, die das Finanzwesen nachhaltiger gestalten möchte. "Schade ist allerdings, dass es bei wichtigen Themen innerhalb der Europäischen Union immer noch kein koordiniertes Vorgehen gibt, sondern die einzelnen Länder nach wie vor ihr eigenes Süppchen kochen. Es tut sich was, aber womöglich nicht schnell genug." Dabei gelte es, keine Zeit zu verlieren: "Wir sind die erste Generation, die vom Klimawandel betroffen ist, und vielleicht die letzte, die etwas dagegen unternehmen kann." (bm)


Das ausführliche Interview ist in FONDS professionell 4/2018 ab Seite 220 erschienen. Dort äußert sich Naïm Abou-Jaoudé auch zum rasanten Wachstum seines Unternehmens in den vergangenen Jahren, zur Zusammenarbeit mit New York Life Investments und der Frage, wie die Berücksichtigung von ESG-Kriterien beim Risikomanagement hilft. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.