Die Bundesregierung hat den Vorstandsvorsitzenden der Unicredit, Andrea Orcel, unmissverständlich aufgefordert, seine Übernahmepläne für die Commerzbank zu beenden. Nachdem die Unicredit am Dienstagabend (8.7.) mitgeteilt hatte, ihren Stimmrechtsanteil durch die Umwandlung von Derivaten auf rund 20 Prozent verdoppelt zu haben, positionierte sich das Bundesfinanzministerium deutlich.

"Wir erwarten, dass Unicredit den Übernahmeversuch aufgibt. Wir setzen weiter auf eine eigenständige Commerzbank", sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) der "Deutschen Presse-Agentur". "Wir lehnen das unabgestimmte und unfreundliche Vorgehen der Unicredit ab."

Unicredit will Anteil auf 29 Prozent ausbauen
Auch wenn noch kein offizielles Übernahmeangebot vorliegt, kündigte die Mailänder Großbank an, ihre verbleibende synthetische Position ebenfalls in Aktien umzuwandeln. Damit könnte der Anteil auf rund 29 Prozent steigen. Der Bund hält derzeit etwa zwölf Prozent der Anteile an der Commerzbank.

"Der Bund wird seine Beteiligung nicht veräußern", bekräftigte Klingbeil. "Die Commerzbank ist eine systemrelevante Bank in Deutschland. Sie hat bewiesen, dass sie auch eigenständig erfolgreich sein kann."

Fusion mit HVB im Hintergrund
Eine mögliche Übernahme durch die Unicredit würde es CEO Orcel erlauben, die Commerzbank mit der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) zu verschmelzen. Ziel: die Schaffung eines neuen Bankriesen mit starker Präsenz in Deutschland. Orcel hatte diesen Plan im September 2024 erstmals öffentlich gemacht – doch der Widerstand aus Berlin kam prompt.

Streit um Kommunikation im Verkaufsprozess
Besonders kritisch sah die Bundesregierung, dass sie nach eigenen Angaben nicht über Orcels Absichten informiert gewesen war, als sie im September einen Teil der Commerzbank-Anteile des Bundes an die Unicredit veräußerte.

Orcel weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Er bestreitet, die Regierung getäuscht zu haben, und erklärte, die Unicredit sei eingeladen worden, die vom Finanzministerium zum Verkauf angebotenen Anteile zu erwerben. (mb/Bloomberg)