Seit langem fragt sich die Öffentlichkeit mit Spannung, wen die betagte Investoren-Legende Warren Buffett zum Nachfolger kürt. Als gesetzt galten Greg Abel, Leiter der Energiesparte von Buffetts Holding Berkshire Hathaway, sowie Versicherungschef Ajit Jain, ein Cousin des ehemaligen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain. Bei der diesjährigen Berkshire-Hauptversammlung am Samstag (1. Mai) war es so weit: Der 90-jährige Star-Investor überließ Abel und Jain zeitweise die Bühne, beide stellten sich erstmal Mal den Fragen der virtuell zugeschalteten Aktionäre, wie das "Handelsblatt" berichtet. Das Rennen machte am Schluss Abel: "Der Verwaltungsrat ist sich einig, dass – sollte mir heute Abend etwas passieren – Greg am nächsten Morgen die Kontrolle übernehmen würde“, ergänzte Buffet wenige Stunden später in einem TV-Interview mit dem Börsensender CNBC. Co-Chef wird Jain.

Die Designierten Jain und Abel (Namensähnlichkeiten zu den berühmt-berüchtigten Brüdern aus der Bibel sind purer Zufall) betonten ihre langjährige und obendrein erfolgreiche Zusammenarbeit. Ein Kult-Paar wie Buffett und sein 97 Jahre alter Kompagnon Charlie Munger dürften sie aber so bald nicht werden: "Wir werden Warren und Charlie nicht replizieren können", betonte Abel. Über das 282 Milliarden US-Dollar schwere Aktienportfolio sollen die beiden Manager auch nicht bestimmen dürfen: Es soll eines Tages von Berkshires Investment-Managern Ted Weschler und Todd Combs verwaltet werden. Sie managen bereits jeweils rund zehn Prozent des Portfolios. Den Fragen der Aktionäre stellten sie sich am Samstag nicht: "Die beiden sind so gut. Wir wollen nicht, dass sie Aktientipps geben, damit uns andere dann Konkurrenz machen", witzelte Buffett.

"Die ganze Entwicklung ist abscheulich"
Der Star-Investor und sein Partner äußerten sich auch zum heißen Thema Kryptowährungen. Beide gelten als harsche Kritiker von Bitcoin & Co. Buffett bezeichnete die weltgrößte Digital-Devise einmal als "Rattengift hoch zwei". Bei der diesjährigen Hauptversammlung hielt er sich mit weiterer Kritik zurück. Nicht so Charlie Munger: "Natürlich hasse ich den Bitcoin-Erfolg", erklärte er. "Ich kann eine Währung, die für Kidnapper und Erpresser so nützlich ist, nicht begrüßen. Die ganze Entwicklung ist abscheulich." Auch vom gehypten Online-Broker Robinhood zeigte sich das Paar wenig angetan: Buffett sieht das Unternehmen in der Verantwortung, die "Kasino-Mentalität" am Aktienmarkt im vergangenen Jahr befeuert zu haben.

Das Ergebnis von Berkshire Hathaway kann sich sehen lassen. Wie unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, setzt die Holdinggesellschaft ihre Erholung von der Corona-Krise fort und verzeichnete im abgelaufenen Quartal einen kräftigen Gewinnanstieg. Der Betriebsgewinn kletterte im ersten Quartal dieses Jahres um 20 Prozent auf sieben Milliarden US-Dollar. Weil Buffett nicht genügend Gelegenheiten für Zukäufe sieht, verteilte sein Unternehmen mit dem Rückkauf eigener Aktien 6,6 Milliarden US-Dollar an seine Aktionäre. Bereits im vergangenen Jahr hatte Berkshire für die Rekordsumme von 24,7 Milliarden US-Dollar eigene Aktien zurückgekauft. (fp/ps).