Der Brexit hat es schwieriger und teurer gemacht, Personal für den Finanzsektor einzustellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Lobbygruppe TheCityUK, der City of London Corporation und der Unternehmensberatung EY. Ein Fünftel der 1,1 Millionen Menschen, die im Finanzdienstleistungssektor des Landes arbeiten, kommen aus dem Ausland, die meisten davon aus der Europäischen Union.

"Mitarbeiter sind stets Thema Nummer eins, wenn wir mit unseren Unternehmen sprechen", sagt Miles Celic, Vorstandschef von TheCityUK. "London und der Rest von Großbritannien sind wirklich darauf angewiesen, Fachkräfte vom Kontinent anwerben zu können." EU-Bürger durften vor dem Brexit ohne Beschränkung in Großbritannien leben und arbeiten. Nach dem Austritt des Königreichs gab es eine Übergangszeit für EU-Bürger, in der sie eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis beantragen konnten. Diese Frist ist jedoch im Juni abgelaufen. Nun benötigen Pendler vom Festland einen gültigen Reisepass - mit allen dazugehörigen Formalitäten im Heimatland.

Teures Visumverfahren
"Das Problem besteht darin, dass EU-Bürger jetzt durch das Einwanderungssystem laufen", sagt Seema Farazi, Partnerin bei EY und Mitautorin der Analyse. "Die vollen Auswirkungen waren bislang nur noch nicht spürbar, da die Pandemie die Zahlen niedrig gehalten hat." Eine Folge ist, dass es nun für Arbeitgeber teurer wird. Ein Visumverfahren für einen Mitarbeiter mit Lebensabschnittspartner und zwei Kindern kostet nun geschätzte 21.000 Pfund (24.300 Euro), um sie für fünf Jahre nach Großbritannien umzusiedeln.

Ein weiteres zentrales Anliegen sei die Lücke im System zwischen normalen Geschäftsbesuchen und Arbeitsvisa. Empfohlen wird die Schaffung eines hybriden Geschäftsvisums zur Einreise für Tätigkeiten über einen begrenzten Zeitraum ohne die Notwendigkeit, ein volles Arbeitsvisum beantragen zu müssen. Die Studie warnt auch vor Problemen bei Geschäftsreisen. Ein anonymer Teilnehmer beschwert sich über Schwierigkeiten bei der Organisation von Visa für Mitarbeiter im Bereich Fintech, in dem die Belegschaft zu 42 Prozent international ist. (Bloomberg/ert)