Das Geschäftsumfeld für die europäischen Banken wird rauer, warnen Analysten der Ratingagentur Moody's. Die Konjunktur habe ihren Höhepunkt überschritten. Daher sei von der volkswirtschaftlichen Entwicklung Gegenwind zu erwarten, schreiben die Bonitätswächter in ihrem Ausblick auf die Bankenlandschaft des Kontinents für 2019. Grundsätzlich rechnen die Experten für Europas Geldhäuser aber mit einer stabilen Bonität.

In einigen Feldern hätten die Finanzinstitute zuletzt sogar Fortschritte erzielt. So gelang es den Geldhäusern länderübergreifend, den Anteil notleidender Kredite zu senken. Besonders die Institute aus Irland konnten die Quote der Problemdarlehen drücken: von gut 17 Prozent im Jahr 2015 auf rund neun Prozent des Gesamtbestands im Jahr 2018. Auch bei spanischen, portugiesischen und sogar italienischen Banken ging der Anteil die Zahl der ausfallgefährdeten Kredite zurück. Allerdings flammt die Nervosität um Institute des Stiefelstaats jüngst wieder auf, weil die Europäische Zentralbank vor wenigen Tagen die Genueser Banca Carige unter Zwangsverwaltung stellte.

Dauerproblem Profitabilität
Auch die Kapitalausstattung von Europas Banken verbesserte sich laut den Analysten von Moody's zuletzt. Über den ganzen Kontinent hinweg stockten die Geldhäuser ihre finanziellen Puffer auf. Dennoch bleiben einige Probleme: In Punkto Profitabilität hinken europäische Institute hinterher -besonders im Vergleich zu ihren US-Pendants. Zugleich müssen die Banken aber erhebliche Summen investieren, um mit der Digitalisierung Schritt halten zu können.

Zudem verweisen die Bonitätswächter auf längerfristige Risiken. So hätten zwar nur recht wenige Banken aus der EU nennenswertes Geschäft in Großbritannien, dennoch gehen vom nahenden Brexit Risiken aus. So werde gut ein Drittel der Derivate, die die Banken ausgeben, über London gehandelt. Die stark steigenden Immobilienpreise in vielen Ländern könnten zudem die Aufseher dazu bringen, höhere Kapitalanforderungen einzuführen, um eine scharfe Korrektur zu vermeiden.

Zeitbombe Firmenschulden
Weiterhin sei zwar die Verschuldung der Privathaushalte gering. Unternehmen hätten hingegen hohe Verbindlichkeiten aufgetürmt, was sich im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs als Gefahrenquelle herausstellen könnte. Zuletzt bemängeln die Experten, dass die EU-weite Bankenunion und die Rettungsmechanismen noch unvollständig sind. (ert)