Die rasante Erholung der Kapitalmärkte nach dem Corona-Crash im Frühjahr 2020 haben das von Europas Fondsgesellschaften verwaltete Vermögen auf den Rekordwert von 11,3 Billionen Euro getrieben. Allein in der zweiten Jahreshälfte verzeichneten die Asset Manager des Kontinents ein Nettomittelaufkommen in Höhe von 156 Milliarden Euro, so eine Studie der Ratinggesellschaft Moody's.

"Europäische Fondsmanager hatten ein Rekordjahr, auch vor dem Hintergrund der Pandemie", sagt Marina Cremonese, Senior-Analystin bei Moody's. Nach dem rasanten Kursverfall im Zuge der Ausbreitung der Covid-19-Pandemie hatten die Stützungsmaßnahmen von Notenbanken und Staaten weltweit die Aktienkurse auf Rekordniveaus getrieben.

Einnahmensprung
Das verbesserte auch die Ertragslage. "Die Einnahmen aus Verwaltungsgebühren stiegen in der zweiten Jahreshälfte 2020 um zehn Prozent, was auf das durchschnittlich höhere verwaltete Vermögen und stärkere Fondszuflüsse zurückzuführen ist", erläutert Cremonese. Mit Blick auf die Kreditwürdigkeit der Asset Manager ergänzt die Rating-Expertin, dass die moderate Schuldenlast den Fondsgesellschaften einen größeren finanziellen Spielraum eröffne.

Die Ebitda-Margen (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) stiegen im zweiten Halbjahr auf 32 Prozent. In der ersten Jahreshälfte waren es nur 29 Prozent gewesen. Dies sei auf höhere Verwaltungsgebühren, niedrigere Betriebsausgaben sowie stabile Kosten zurückzuführen. Durch die Pandemie seien die Reise- und Marketingkosten gesunken, erläutern die Moody's-Autoren.

Langfristig negativer Ausblick
Dennoch versehen die Bonitätswächter die globale Asset-Management-Branche mit einem negativen Ausblick. Denn die Corona-Krise werde die langfristigen Schwierigkeiten, vor denen die Anbieter stehen, verschärfen. Die Finanzmärkte und das Mittelaufkommen blieben durch die ungleichmäßige Erholung der Weltwirtschaft gefährdet, so die Autoren. Trends wie ein sich verschlechterndes operatives Umfeld, veränderte Anlegerpräferenzen und ein hart umkämpfter Markt hätten sich während der Pandemie ebenfalls verstärkt. (ert)