Der Skandal um den staatlichen malaysischen Entwicklungsfonds 1MDB, der ursprünglich Investitionen in Infrastruktur und andere Projekte in dem Land ankurbeln sollte, bedeutet für Goldman Sachs nicht nur ein Reputationsproblem. 2020 schloss die Bank Vergleiche mit Behörden in den USA und Malaysia und stimmte darin der Zahlung von mehr als fünf Milliarden US-Dollar (4,6 Mrd. Euro) zu: Mitarbeiter der Bank, die für den Fonds Bankgeschäfte abgewickelt hatte, waren an der Veruntreuung von drei Milliarden Dollar (2,7 Mrd. Euro) beteiligt gewesen. Der US-Finanzrise selber gab zu, klare Warnsignale zu den Machenschaften ignoriert zu haben.

Eine der zentralen Figuren in dem Skandal ist Tim Leissner. Der ehemalige Südostasien-Chef von Goldman Sachs hatte seine Beteiligung an dem Betrug auch schon gestanden und tritt nun als Kronzeuge in einem Verfahren gegen einen anderen Goldman-Banker vor einem New Yorker Gericht auf. Hier packte er aus, auch über seine eigenen Motive, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet. Leissner gab vor Gericht zu, dass er wusste, dass die Machenschaften rund um 1MDB illegal gewesen seien. Aber die Aussicht, bei seinem Arbeitgeber als Architekt großer Deals dazustehen, sei offenbar zu verlockend gewesen. "Ich wollte ein Held bei Goldman Sachs sein", zitiert ihn die FAZ. 

Anweisungen für Schmiergeldzahlungen
Leissner beschrieb vor Gericht unter anderem, wie ein Mittelsmann ihm und dem Angeklagten bei einem Treffen in London das Prozedere für die Schmiergeldzahlungen an Politiker in Malaysia und Abu Dhabi erklärt habe, ohne die die ganzen Transaktionen und Investitionen des Fonds nicht möglich gewesen wären: Der Mittelsmann habe einfach Kästchen auf ein Stück Papier gezeichnet, jeweils eines für jeden Politiker und Beamten, der zu bestechen sei. 

Leissner präsentierte sich der Zeitung zufolge vor Gericht als geläuterter Mann. Er beteuerte, die Zeit der Lügen liege hinter ihm, und dass er "nicht stolz darauf" sei. Gelogen hatte er nicht nur im Geschäftlichen, sondern auch im Privaten. So gab er zu, Scheidungspapiere gefälscht und zweimal in seinem Leben mit zwei Frauen gleichzeitig verheiratet gewesen zu sein. Nun wolle er reinen Tisch machen, um seinen Kindern "in die Augen sehen zu können". Zudem hofft er, nicht ins Gefängnis zu müssen. Sein Strafmaß muss aber noch festgelegt werden, ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft. (jb)