Das Geld dem Profi geben oder selbst in ETFs anlegen? Vor dieser Wahl stehen auch immer mehr vermögende Personen. Denn das Aufkommen von ETFs hat in den vergangenen Jahren gezeigt: schon mit einem knappen globalen Mix aus börsengehandelten Fonds ist man performancemäßig schnell einmal so gut unterwegs, wie ein aktiver Manager. Noch dazu sind die Kosten im ETF unschlagbar.

Natürlich ist Rendite nicht alles – wer sein Geld im Private Banking verwalten lässt, bekommt im Idealfall eine maßgeschneiderte Strategie, die die eigenen Sicherheitsbedürfnisse und Anlageziele professionell abbildet. Dennoch sollte der Ertrag stimmen. Das Bewertungsunternehmen Fuchs-Richter-Prüfinstanz beobachtet seit einigen Jahren, welche Anbieter es wirklich mit passiven Strategien aufnehmen können.

Ein österreichisches Institut schlug die Benchmark
In dem 2017 begonnenen Performance-Projekt, das über fünf Jahre läuft, wird ermittelt, wie sich die hauseigenen Strategien von 73 teilnehmenden Banken und Vermögensverwaltern im deutschsprachigen Raum gegenüber einem Portfolio aus drei ETFs entwickeln. Laut Zwischenbericht schaffte es per Ende 2020 mit der Zürcher Kantonalbank Österreich (ZKB) nur ein inländisches Institut in die Auswahl jener, die die ETF-Benchmark schlagen konnten. Insgesamt gelang das per Stichtag 31. Dezember 2020 unter allen Teilnehmern nur acht Anbietern, wie aus dem Bericht hervorgeht.

Das aus drei Fonds bestehende Portfolio der ZKB-Österreich lag per Ende 2020 in der Gesamtwertung auf dem dritten Platz, heißt es dort. Demnach versucht der verantwortliche Portfoliomanager Martin Gautsch eine aktive Steuerung, "ohne dabei ins Trading abzugleiten". Titel würden mit einem Prognosehorizont von drei bis sechs Monaten gekauft, wobei die fundamentale Bewertung im Vordergrund stehe und riskante "crowded trades", also Investments, in die die Masse drängt, vermieden werden sollen.

Prognose per Big Data
Neben üblichen Kennzahlen wie Investitionsvolumen oder Verschuldung habe das ZKB-Team in der Corona-Krise ihr Analyse-Tableau erweitert. Unter anderem seien U-Bahndaten von Metropolen oder Buchungszahlen von Ferien-Plattformen ausgewertet worden, um frühzeitig auf ökonomische Erholungen und somit Opportunitäten aufmerksam zu werden. ETFs betrachtet Gautsch laut dem Bericht nicht als Konkurrenz. "Mit ETFs ist keine Outperformance zur Benchmark möglich, dies kann nur durch aktive Manager erzielt werden", wird er zitiert.

Dabei muss erwähnt werden, dass Outperformance nicht das alleinige Ziel ist, dem Portfoliomanager nachhecheln müssen. Vielmehr konnten die aktiven Profis im Test andere Stärken unter Beweis stellen; zum Beispiel, dass sie in Krisenzeiten mitunter die Nerven ihrer Kunden schonen: Immerhin die Hälfte der Teilnehmer schaffte es, im Corona-Crash weniger stark abzusacken als die Benchmark.

Die Vorgaben und die Top-Banken
73 Banken und Vermögensverwalter waren im Rahmen des Performance-Projekts aufgerufen, mit eigenen Produkten das Vermögen eines 45-jährigen Kunden über 15 Jahre zu managen. Als Startkapital stand eine Million Euro zur Verfügung. Die Anlage erfolgt in ein bis drei hauseigenen vermögensverwaltenden Fonds, die vom Teilnehmer beraten oder gemanagt werden. Dem gegenüber stand das Benchmark-Depot aus drei ETFs: je 25 Prozent europäische Unternehmens- und globale Staatsanleihen und 50 Prozent globale Aktien.

Nach vier Jahren wurde per 31. Dezember 2020 Zwischenbilanz gezogen. Besser als die Benchmark waren zu diesem Zeitpunkt (alphabetisch): Deutsche Oppenheim Family Office, Geneon Vermögensmanagement, Globalance Bank, Hauck & Aufhäuser Privatbankiers, Oddo BHF Aktiengesellschaft, Sigma Bank, Von der Heydt und Co., Zürcher Kantonalbank (AT). (eml)